Lachenmeier-Thüring Anita · Nationalrat · 2010-09-27
Lachenmeier-Thüring Anita · Nationalrat · Basel-Stadt · Grüne Fraktion · 2010-09-27
Wortprotokoll
Kopf, Herz und Hand: Diesen Dreiklang postulierte der wohl berühmteste Schweizer Pädagoge, Pestalozzi, vor rund 150 Jahren. Dieser Dreiklang prägte die Schweiz. Dieser Dreiklang prägte die Bildungslandschaft Schweiz über Jahrzehnte. Was bedeutet er? Pestalozzi setzte sich für den ganzheitlichen Ansatz in der Bildung ein. Man kann einem Kind nicht einseitig Wissen eintrichtern. Geist und Körper gehören zusammen und müssen ganzheitlich betrachtet und gefördert werden. Für eine gesunde Entwicklung muss auf alle Sinne eingegangen und müssen alle Fähigkeiten gefördert werden: Kopf, Herz und Hand. Die kreativen, musischen Fächer gehören genauso in den Lektionenkorb wie Sprache und Mathematik. Musik, Werken, Zeichnen und Turnen sind mehr als nur Ausgleichsfächer. Sie bilden den Grundstock für die kognitiven Fähigkeiten.
Die Auswirkung des Musikunterrichts wurde wissenschaftlich untersucht: Kinder verbessern ihre soziale Kompetenz, steigern ihre Lern- und Leistungsmotivation, weisen einen bedeutend höheren IQ auf, kompensieren Konzentrationsschwächen und verbessern letztlich ihre schulische Leistung. Wir haben das bereits von vielen gehört. Auch die gestaltenden Fächer bieten diese Chancen. Sie vernetzen sinnliche Erfahrung, ästhetisches Denken, gestaltenden Ausdruck und motorische Fähigkeiten, und sie fördern die kindliche Entwicklung. Trotzdem ist festzustellen, dass genau diese Fächer je länger, je mehr den Sparbemühungen der Kantone zum Opfer fallen oder wegen der vielen neuen Ansprüche an die Schule anderen Fächern weichen müssen. Sprachförderung, Fremdsprachen, Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer sind wichtig - sie auf Kosten von Musik, Werken und Turnen zu unterrichten ist jedoch kontraproduktiv.
Letzte Woche hat sich unser Rat für drei Stunden Turnunterricht auf allen Schulstufen ausgesprochen. Dass sich die Kinder zu wenig bewegen, Bewegung jedoch unabdingbar für die Gesundheit ist, ist glücklicherweise unbestritten. Im Turnunterricht, aber auch im Werk- und Musikunterricht kommen diejenigen Kinder aus sich heraus, die in andern Fächern manchmal etwas Mühe haben. In diesen kreativen Fächern können sie andere Fähigkeiten erkennen und auch ausleben.
Soziale Kompetenzen, welche in unserer komplexen Gesellschaft je länger, desto wichtiger werden, können in diesen Fächern gefördert werden. Viele Kantone haben leider kein Musikgehör, wenn es darum geht, Musik zu fördern. Kurzfristige finanzielle Bedenken sind ihnen oft näher als die langfristige Investition in die Zukunft der Schülerinnen und Schüler.
Darum braucht es diese gesetzliche Grundlage auf Bundesebene. Stimmen Sie dieser Initiative zu!