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Schmidt Roberto · Nationalrat · 2010-09-27

Schmidt Roberto · Nationalrat · Wallis · Fraktion CVP/EVP/glp · 2010-09-27

Wortprotokoll

Kennen Sie den Mozart-Effekt? Nein, ich meine nicht die negativen Auswirkungen der süssen Mozartkugeln auf unser linienbewusstes Verhalten. Der Mozart-Effekt besagt, dass aktives Musizieren die Fähigkeiten eines Menschen verändert und positive Effekte auf die Gesundheit, das Lernen und das soziale Verhalten hat. Studien belegen, dass aktives Musizieren die Konzentrationsfähigkeit verbessert, das Gedächtnis stimuliert und die Intelligenz fördert. Jetzt wissen wir also, warum sich so viele unter der Dusche heiser singen.

Trotz all dieser Studien haben heute nicht alle Kinder die Chance, ein Musikinstrument zu erlernen und in einem Ensemble mitzuspielen. Papa Staat hat da kein Musikgehör. Die Musik hat es nicht erst seit dem Pisa-Schock schwer, in der Schule gegen harte Fächer anzukommen. Was zählt, ist Leistung, und die ist im Musikunterricht nun mal schwer messbar.

Eigentlich müssten uns solche Studien auch gar nicht interessieren. Sie lassen ja Ihre Tochter auch nicht Klavier spielen, damit sie besser rechnet oder leichter Sprachen lernt. Musik braucht eigentlich keine Rechtfertigung, musizieren sollte ein Menschenrecht sein, nicht auf einen Zweck ausgerichtet, Selbstzweck einfach. "Die Musik spricht für sich allein. Vorausgesetzt, wir geben ihr eine Chance." Das sagte einst Yehudi Menuhin. Die musikalische Bildung von Kindern und Jugendlichen sollte darum ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen sein. In Anlehnung an Nietzsche möchte ich sagen: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum." Wenn man durch das Musizieren auch noch gescheiter wird, besser rechnet, rascher Fremdsprachen lernt, so mag dies ein Grund mehr sein, sich für die Musikförderung einzusetzen.

Mit Überzeugung stehe ich hinter der Initiative "Jugend und Musik"; nicht ganz uneigennützig, was ich hier gestehen muss. Seit genau dreissig Jahren bin ich als Chorleiter und Blasmusikdirigent tätig. Da habe ich natürlich ein ureigenes Interesse, dass möglichst viele Kinder den Zugang zu Musik und Gesang finden. Ich unterstütze die Initiative aber nicht nur, weil unsere Helvetia Sänger, kleine Mozarts und blitzgescheite Kinder braucht, sondern weil wir durch die Musik auch kernige Menschen in unserem Land formen, Persönlichkeiten eben. Musik fördert die Sozialkompetenz. Das gemeinsame Musizieren fördert das Miteinander-Schaffen, das Voneinander-Lernen, das Aufeinander-Zugehen, das Füreinander-da-Sein in einer gemeinsamen Verantwortung für das Gelingen des Gesamten. So gesehen, könnte die Wirkung einer Haus-Band im Bundesrat geradezu wundersam sein.

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Wissen Sie, was Bundesrätin Sommaruga mit Polo Hofer verbindet? Oder Barack Obama mit Peter Reber? Oder Papst Benedikt XVI. mit Toni Vescoli? Oder unseren Otto Ineichen mit den Beatles? Oder Adolf Ogi mit DJ Bobo? Alle erlernten sie in frühen Kinderjahren ein Musikinstrument und musizierten, manchmal wohl auch mit Widerwillen, nie aber für die Katz. Ihre musikalische Bildung prägte ihre Entwicklung, machte sie zu Persönlichkeiten, zu ausserordentlichen Talenten. Obwohl in der Politik leise Töne manchmal wirkungsvoller sind, wurde vor wenigen Tagen sogar aus Bundesrat Merz ein rhythmischer Rapper kreiert - dem Bündnerfleisch sei Dank.

Es ist unglaublich, wie viele Talente, wie viel Kraft und Rhythmus in unseren Kindern stecken; wir müssen die Talente nur wecken, das Feuer entfachen. Wie Mani Matters "Zündhölzli", dessen kleine Flamme die grosse Welt verändert hätte, wenn er es nicht rechtzeitig vom Teppich genommen hätte. Sie erinnern sich sicher noch: (singt) "I han es Zündhölzli azündt und das het e Flamme gäh ..." Ja, die Initiative könnte auch so ein "Zündhölzli" sein. Entfachen wir in unseren Kindern und Jugendlichen noch mehr das Feuer der Musik. Erleichtern wir allen den Zugang zur Musik. Das täte unserem Land gut, denn die Förderung der musikalischen Bildung ist ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft.

C'est le ton qui fait la musique; c'est la musique qui fait vibrer notre pays et son âme.