Leuenberger Moritz · Bundesrat · 2010-09-30
Leuenberger Moritz · Bundesrat · Zürich · 2010-09-30
Wortprotokoll
Diese Debatte mit ihren sehr vielen Zusatzfragen und ihren Gedichten hat einmal mehr gezeigt, wie der Wolf unsere Gefühle hochkommen lässt. Wir haben auch einmal mehr gesehen, was für breite kulturelle Gräben es in unserem Land immer noch gibt. Der Konflikt ist offensichtlich: Der Wolf wird einerseits verklärt, andererseits gehasst. Das äussert sich alles auch in politischer Arbeit und in Legenden, die sich um den Wolf herum bilden.
Deswegen nenne ich Ihnen einfach die wichtigsten Zahlen: Es gibt in der Schweiz jetzt ungefähr 15 Wölfe. In diesem Sommer haben sie etwas weniger als 100 Schafe und Ziegen gerissen. Dem stehen 1500 Abstürze von Schafen und Ziegen gegenüber.
Wir sprechen hier von der natürlichen Einwanderung von Wölfen. Ich sage das, weil in der Fragestunde gefragt wurde, ob das UVEK Wölfe importiere. Ich muss nochmals betonen, dass dem nicht so ist; die Wölfe wandern freiwillig in unser Land ein. Zuerst kommen junge männliche Tiere, später kommen weibliche Tiere nach, und in einer dritten Phase kommt es dann zur Fortpflanzung - alles ganz natürlich.
Die Vorstösse, die Sie eingereicht haben, lassen sich in drei Kategorien einteilen: Zum Ersten geht es um eine Revision der Jagdverordnung, zum Zweiten um Massnahmen für den Herdenschutz, zum Dritten um einen Austritt aus der Berner Konvention. Wie wir Ihnen schriftlich mitgeteilt haben, sind wir mit der Revision der Jagdverordnung und mit einer Verbesserung des Herdenschutzes ausdrücklich einverstanden. Was die Berner Konvention angeht, so sind wir damit einverstanden, den Schutzstatus des Wolfes auf denjenigen des Luchses zurückzustufen, allerdings gemeinsam mit unseren Nachbarländern - das ginge noch etwas besser, wenn wir die Protokolle der Alpenkonvention ratifiziert hätten. Wir wollen das durchaus erreichen, aber wir müssen mit unseren Nachbarländern darüber diskutieren.
Der Vorschlag von Herrn Hassler zeigt, in welche Richtung es gehen soll, und wir sind ja damit ausdrücklich einverstanden. Es sollen also die Instrumente in Übereinstimmung mit der Berner Konvention angewendet werden. So soll z. B. ein Hirte einen Wolf abschiessen dürfen, wenn dieser seine Herde angreift, oder die Behörden bewilligen Abschüsse nach Quoten. Was jedoch nicht infrage kommt, ist ein Austritt aus der Berner Konvention oder die Ausrottung des Wolfes in unserem Land. Wir wollen ausdrücklich sagen, dass wir die Einwanderung des Wolfes begrüssen, das gehört zur Bereicherung unserer Umwelt, unserer Natur. Es geht letztlich eben um unsere Einstellung zur Natur überhaupt, und da kann man sagen, dass unsere Haltung nicht so ganz ungebrochen ist.
Ich jedenfalls bin dem Parlament sehr dankbar, dass es eine Motion zur Biodiversität angenommen und den Bundesrat gezwungen hat, eine Strategie zur Biodiversität zu entwerfen. In einer Anfangsphase war die Mehrheit des Bundesrates gegen eine solche Strategie; Sie haben uns nun dazu gezwungen. Wir haben einen Entwurf gemacht, und der Bundesrat hat bereits die ersten Eckpunkte dieser Biodiversitätsstrategie diskutiert und verabschiedet. Im nächsten Jahr werden wir dann die vollständige Strategie verabschieden und Ihnen zur Diskussion unterbreiten können.