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Beerli Christine · Ständerat · 2001-03-20

Beerli Christine · Ständerat · Bern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2001-03-20

Wortprotokoll

Ich bin, gleich wie mein Kollege Peter Bieri, der Ansicht, dass wir im Jahr 1996, als das Fachhochschulgesetz in Kraft gesetzt wurde, einen grossen bildungspolitischen Schritt gemacht haben. Wir haben damit mit Sicherheit unser Berufsbildungssystem, das duale System, das wir sehr hoch schätzen, aufgewertet.

Wir haben den damaligen technischen Hochschulen neue Aufgaben gegeben, wir haben ihre bisherigen Aufgaben neu definiert. Die Fachhochschulen haben nunmehr nicht mehr einzig die Aufgabe, eine praxisorientierte Ausbildung anzubieten. Diese Aufgabe haben sie natürlich weiterhin, sie ist auch ihr Kerngeschäft; aber sie haben zusätzlich die Aufgabe erhalten, angewandte Forschung und Entwicklung zu betreiben, Dienstleistungen zu erbringen und mit anderen Hochschulen zusammenzuarbeiten.

Diese neuen Aufgaben, in denen sich die Fachhochschulen nunmehr ausbreiten - und das mit sehr viel Engagement und Motivation -, bringen es mit sich, dass eine echte Win-win-Situation entsteht: Einerseits erfüllen die Fachhochschulen einen volkswirtschaftlichen Auftrag, sie machen die angewandte Forschung und Entwicklung und erbringen die Dienstleistungen zugunsten der Wirtschaft. Sie sind, wenn ich das einmal bildlich ausdrücken darf, etwas wie die Forschungsabteilungen der kleinen und mittleren Unternehmungen. Ein Unternehmen, das keine eigene Forschungsabteilung hat, kann ohne weiteres an eine technische Fachhochschule gelangen, und man versucht gemeinsam, die anstehenden Probleme zu lösen. Das ist ein Gewinn für die Volkswirtschaft.

Andererseits - dies erscheint mir ganz wichtig - besteht auch für die Bildung und für die Ausbildung an den Fachhochschulen eine klare Gewinnsituation. Denn dieses Wissen, die Problemkenntnis und der sehr direkte Praxisbezug, der von Studentinnen und Studenten, aber vor allem auch von Dozentinnen und Dozenten mit der Projektarbeit in der Wirtschaft gewonnen wird, fliessen wiederum in die Ausbildung ein. Sie bewirken, dass die Ausbildung wirklich praxisorientiert ist und dass die jungen Leute, welche die Fachhochschule mit einem Diplom beenden, auch von der Wirtschaft sehr gefragt sind. Sie finden unverzüglich, meistens schon vor Erhalt des Diploms, eine Stelle in der Wirtschaft, sind dann auch sehr schnell einsetzbar und können wirklich an den Problemen arbeiten. [PAGE 129]

Ich bin überzeugt, dass die Fachhochschulen noch ein Potenzial haben und sich noch verbessern müssen, wie wir uns alle immer wieder verbessern müssen. Sie sind jetzt auch gerade daran, die ersten "peer reviews" über sich ergehen zu lassen. Sie tun auch das mit viel Motivation, auch wenn der Papierkrieg - dies in Klammern bemerkt - doch etwas gross ist. Wir müssen in der Tat immer wieder aufpassen, dass nicht allzu viel Zeit in administrative Arbeiten und das Erstellen von Statistiken gesteckt wird, sondern dass wirklich an der Front die praktische Arbeit gemacht werden kann. Aber diese "peer reviews" werden aufzeigen - davon bin ich überzeugt -, dass sich die Fachhochschulen schon sehr stark bewegt haben und dass sie sich noch weiter in eine gute Richtung bewegen werden.

Nun zum Zugang zu den Fachhochschulen: Es ist ganz klar und eindeutig, dass die Berufsbildung auf dualem Weg - auch die Berufsmaturität, die wir eingeführt haben - der "Königsweg" für den Zugang zu den Fachhochschulen bleiben soll. Sie wollen keine Schmalspuruniversitäten werden, sie wollen ganz klar den grössten Teil ihrer Studentinnen und Studenten über die Berufsbildung und die Berufsmaturität erhalten.

Ich erlaube mir aber auch, hier noch eine Problematik anzuführen. Sie ist erkannt, es wird daran gearbeitet, aber ich glaube, man muss sie trotzdem erwähnen: Die Berufsmaturität ist noch verbesserungswürdig. Wir haben nach wie vor Probleme mit Abgängerinnen und Abgängern der Berufsmaturität, weil das Niveau immer noch zu wünschen übrig lässt und sich dies dann dahingehend auswirkt, dass doch sehr viele Studentinnen und Studenten in den ersten Semestern ausscheiden müssen, weil sie den Anforderungen der Fachhochschulen noch nicht gewachsen sind. Das Problem ist erkannt, man muss daran arbeiten, man muss den Qualitätsstandard der Berufsmaturität nach wie vor anheben. Dann gibt es einige wenige Fälle - Herr Bieri hat davon gesprochen, ich selber habe dies damals mit meiner Motion angetönt -, wo in der Tat auch gymnasiale Maturandinnen und Maturanden an den Fachhochschulen willkommen sind. Ich war - ich kann dies hier auch in Klammern bemerken - etwas erstaunt darüber, dass dieser Vorstoss damals eine solche Emotion ausgelöst hat. Wahrscheinlich wurde mehr hineininterpretiert, als in der Tat im Vorstoss enthalten war. Er bedeutet nämlich nur einen ganz kleinen Schritt in einem sehr engen Bereich. Ich glaube, dass gerade im Bereiche der ICT-Studiengänge - "information and communication technologies" - in der Tat erstens einmal ein riesiger Bedarf an Abgängerinnen und Abgängern von Fachhochschulen besteht und zweitens auch gymnasiale Maturandinnen und Maturanden das Rüstzeug mitbringen, um in diese Studiengänge einzusteigen. Ich glaube auch, dass sie nach einem Studienjahr wesentlich besser darauf vorbereitet wären, ins Praktikum zu gehen, auch wesentlich mehr vom Praktikum profitieren würden, als wenn sie dies direkt nach der Maturität täten.

Dieser Vorstoss wurde hier überwiesen, der Nationalrat wird ihm wohl nicht sehr viel Sympathie entgegenbringen. Ich möchte nur noch einmal betonen, dass er nicht ein Einfallstor für die Zulassung gymnasialer Maturanden an die Fachhochschulen bedeutet, sondern dass er wirklich einen sehr eingeschränkten Bereich umfasst. Ich bin der Ansicht, dass es von Vorteil wäre, wenn man in diesem Bereich eine gewisse Flexibilisierung einführen würde.

Dieser Vorstoss aber entspricht nicht dem - auch dies kurz zu erwähnen, liegt mir am Herzen -, was man kürzlich in der Zeitung lesen konnte und was von Herrn Buschor propagiert wird. Ich bin nicht der Ansicht, dass die Fachhochschulen zum "Überlaufventil" überbesetzter Universitäten werden dürfen. Das wäre nicht richtig. Das wäre der falsche Weg. Das wäre in der Tat der Weg, der dann zur Schmalspur- oder Zweitklassuniversität führen würde. Das möchten wir nicht. Wir möchten nach wie vor ganz klar den Hauptharst unserer Studentinnen und Studenten aus dem Bereich der Berufsbildung rekrutieren, mit dem Abschluss der Berufsmaturität. Ich glaube, man darf von der Voraussetzung ausgehen, dass die Fachhochschulen sehr klar wissen, wo ihre Stärke liegen, und dass sie nicht bereit sind, hier in irgendeiner Art und Weise zu einer Verwässerung Hand zu bieten. Wir möchten aber auch nicht zusätzliche Erfordernisse einfügen, wie sie die Motion des Nationalrates (Imhof Rudolf) verlangt. Das wiederum, glaube ich, wäre kontraproduktiv. Wir sind selber daran interessiert, die Regeln einzuhalten, und wir möchten, dass das Gesetz in der Art angewendet wird, wie es heute besteht, allenfalls eben - im Bereiche der ICT-Berufe - mit einer gewissen Flexibilisierung, die einfach den Realitäten auf diesem Markt Rechnung zu tragen hat.

Ich bitte Sie demzufolge, die Motion des Nationalrates (Imhof Rudolf) nicht zu überweisen.