Schweiger Rolf · Ständerat · 2010-12-16
Schweiger Rolf · Ständerat · Zug · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2010-12-16
Wortprotokoll
Der Inhalt dieser Bestimmung ist einfach zu verstehen. Das Motiv, das dahintersteht, ist nicht eigentlich ein aktienrechtliches. Es geht eher um "naming and shaming": Man zeigt der Öffentlichkeit, wer im Einzelnen was hat. Dem Aktionär ist es an sich gleichgültig, wie die Verteilung aussieht, ihn interessiert die Gesamtsumme.
Ich möchte aber doch auf gewisse Konsequenzen aufmerksam machen. Es gibt Gesellschaften, die relativ grosse Geschäftsleitungen haben. Es ist nicht so, dass die Geschäftsleitungen immer aus zwei, drei, vier oder fünf Leuten bestehen. Die Definition dessen, was Geschäftsleitung ist, ist sehr, sehr unterschiedlich. Innerhalb einer solchen Geschäftsleitung werden Abstufungen aufgrund von Erfahrungswerten, von Anforderungsprofilen usw. gemacht. Wenn nun alle Namen mit Angabe der Löhne genannt werden müssen, entsteht innerhalb der Gesellschaften automatisch Druck, die Löhne innerhalb der Geschäftsleitung anzugleichen, und zwar logischerweise nicht auf der unteren Ebene, sondern auf der oberen Ebene. Das ist die eine, die praktische Seite.
Es gibt aber auch eine emotionelle Seite. In Firmen, die börsenkotiert, aber durchaus lokal verankert sind, wird von den Mitgliedern der Geschäftsleitung, die zum Teil gar nicht Riesenlöhne haben, an der Generalversammlung, zum Beispiel in der regionalen Turnhalle, bekannt, was sie verdienen. Ich weiss aus einer ganz persönlichen Optik heraus, was es bedeutet, wenn bekannt ist, was jemand genau verdient. Ich weigerte mich während der ganzen Zeit, als meine Kinder noch in der Schule waren, strikte, jemandem von der Presse zu sagen, was ich verdiene und was ich für ein Vermögen habe; und zwar aus dem ganz einfachen Grund, dass ich nicht wollte, dass meine Kinder wissen, wie viel ich verdiene. Es wäre für mich negativ gewesen, wenn es darum ging, ihnen Ziele vorzugeben. In ihrer Optik wäre all das, was ich sagte, eigentlich lächerlich gewesen, weil ich so und so viel verdiente. Es ist schwierig, Sparsamkeit zu predigen, wenn das Kind sagt: Ja, was soll das überhaupt? Auch das müssen Sie beachten.
Wir reden hier nicht von den Riesengesellschaften. Schauen Sie einmal die Gesellschaften des SPI an: Das sind relativ kleine Gesellschaften, die zum Teil in der Bevölkerung verankert sind.
Ich bin beispielsweise Mitglied des Verwaltungsrates der Firma Hochdorf. An deren Generalversammlung kommen jeweils etwa dreihundert Leute aus der Umgebung, die auch [PAGE 1333] Aktien haben. Ist es wirklich richtig, diesen Leuten sagen zu müssen, der Huber verdiene das und der Meier verdiene das und der Müller verdiene das? Diesen Aktionären muss es doch genügen zu wissen, welche Gesamtsumme der Verwaltungsrat der Geschäftsleitung auszubezahlen entschieden hat.
Aufgrund dieser Überlegung sollte man hier der Minderheit II zustimmen.