Leuthard Doris · Bundesrat · 2011-04-11
Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2011-04-11
Wortprotokoll
Herr Nationalrat, in der letzten Session waren es die Luchse, jetzt sind es die Krähen. Seit wir in der letzten Session den Schutz der Luchse ein wenig gelockert haben, erhalte ich pro Tag bis heute dreissig bis fünfzig Protestmails. Ich erinnere Sie daran: Die damalige Regierungsrätin Elisabeth Zölch ist dieses Krähenproblem im Kanton Bern einmal angegangen; das war im Jahr 2005. Sie hat damals aufgrund der kantonalen Kompetenz auf der Basis einer Ausnahmebewilligung die Verwendung von Giftködern, wie Sie das jetzt wieder verlangen, angeordnet. Die Aktion musste nach wenigen Tagen abgeblasen werden, weil der Widerstand aus der Bevölkerung sehr gross war. Der Kanton Bern hat in der Folge, das ist in der ganzen Diskussion entscheidend, die Schäden der Krähen an den Maiskulturen - um die wird es Ihnen vor allem gehen - messen lassen. Man hat festgestellt, dass sich die Schäden am frisch ausgesäten Mais in der Regel auf maximal 1 Prozent des gesamten Erntewerts der Maiskulturen beschränken. Seither hat man im Kanton Bern mit der normalen Regulierung der Krähen keine Probleme mehr.
Ich erinnere daran: Die Rabenkrähe ist und bleibt eine grundsätzlich jagdbare Tierart, ihr Bestand kann durch die Kantone reguliert werden. Wir meinen, dass einerseits die Kompetenz und der Spielraum der Kantone genügend gross sind, dass sie ihr Interesse am Schutz der Kulturen durchsetzen können, und dass man andererseits mit der Methodik der Regulierung auch dem Vogelschutz Spielraum zu lassen hat. Das Zulassen des Einsatzes von Gift auf grosser Fläche ist nach dem heutigen Zeitgeist problematisch und deshalb für den Bundesrat keine Option.