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Schweiger Rolf · Ständerat · 2011-06-08

Schweiger Rolf · Ständerat · Zug · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2011-06-08

Wortprotokoll

Vorerst eine meiner Interessenbindungen: Ich bin Präsident der Fial, der Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien. Ich darf vorweg festhalten, dass sich die Schweizer Nahrungsmittelindustrie sehr intensiv bemüht, sich bei ihren Kontakten mit ausländischen Lieferanten für die sozialen und die ökologischen Bedingungen zu interessieren und sich auch entsprechend zu verhalten, sollte hier etwas nicht in Ordnung sein. Ich erwähne beispielsweise, was gerade in den letzten Wochen auch im Fernsehen gesendet wurde, nämlich die Produktion von Palmöl, die nicht mehr auf Moorboden stattfinden soll. Das war eine Einigung zwischen Nestlé und den dort ansässigen Bauern und Regionalorganisationen. Das Gleiche kann man bezüglich anderer Produkte sagen, Kaffee usw.

Nun muss man aber wissen, dass die Menge der Produkte, welche von der Nahrungsmittelindustrie eingeführt werden, gewaltig ist. Sie müssen sich beispielsweise eine Firma vorstellen, welche allein verschiedene Suppen produziert. Dazu braucht es Hunderte von Gewürzen, Früchten, Gemüseteilen, die von irgendwoher eingeführt werden. Es ist nun völlig unmöglich, bezüglich aller Produkte im Detail zu wissen, wie deren Produktion beispielsweise bezüglich der Einhaltung sozialer Gegebenheiten im Einzelnen abgelaufen ist. Nur ein Beispiel: Wenn Pilze Bestandteil eines Produktes sind und Pilze eingeführt werden, die nicht gezüchtet sind, sondern im Wald gesammelt wurden, dann ist eine Kontrolle oder gar eine Überprüfung, wer das wie genau gemacht hat, unmöglich. Nun kommt das Entscheidende dazu: Für eine nahrungsmittelproduzierende Firma ist es etwas vom Schädlichsten, was ihr passieren kann, wenn durch Presseartikel und Sendungen Dinge veröffentlicht werden, welche die Reputation dieser Unternehmung infrage stellen.

Alle Nahrungsmittelindustrien sind peinlich darauf bedacht, nichts zu tun, was ihre Reputation schädigen könnte. Wenn nun aber bei einer unendlichen Vielzahl von Produkten gesagt werden muss: "Hier ist uns eine intensive Kontrolle dessen, was genau abläuft, gar nicht möglich", und man damit rechnen muss, dass dies in Einzelfällen medial bekanntgemacht wird, dann verzichtet man besser darauf, überhaupt Kontakte mit solchen Ländern aufrechtzuerhalten. Damit kann man der Gefahr entgehen, dass es zu reputationsschädigenden Mitteilungen, Presseartikeln oder Fernsehsendungen kommt. Das liegt nicht im Interesse dieser Länder. Diese Länder geben sich Mühe; gewisse Bedingungen sind aber nicht völlig vergleichbar mit den Bedingungen bei uns. Wenn diese Länder Gefahr laufen, dass man sich nicht mehr getraut, mit ihnen Handel zu treiben - nur deswegen, weil man befürchten muss, dass allenfalls die Reputation geschädigt wird -, und deshalb die Handelsbeziehungen oder die Kooperationen mit solchen Ländern abgebrochen werden, dann sind die Bauern und die Produzenten in diesen Ländern die Opfer.

Deshalb bitte ich Sie, diesen Initiativen keine Folge zu geben. Mit diesen Initiativen ist den Leuten in diesen Ländern nicht gedient.

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