Leuthard Doris · Bundesrat · 2011-09-13
Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2011-09-13
Wortprotokoll
Ich bin sehr froh, dass der Ständerat die Motion Hassler abgeändert hat. Es ist mir nämlich möglich, dieser abgeänderten Fassung zuzustimmen.
Es ist ein Thema, das eine finanzielle Komponente hat; es stellt sich natürlich auch die Frage nach der Rolle des Bundes. Gestützt auf Artikel 10 Absatz 4 der Jagdverordnung hat das Bafu die Möglichkeit, die Konflikte zwischen Herdenschutz und Raubtieren mit einem Präventionsprogramm zu vermindern. Wir setzen dafür derzeit rund 800 000 Franken pro Jahr ein; sie dienen der Beratung sowie der Umsetzung von Herdenschutzmassnahmen.
Wenn man jetzt weiter gehen würde, wie das der ursprüngliche Motionstext wollte, dann müsste der Bund sämtliche Kosten für den Herdenschutz tragen, und das in einem Umfeld, in dem gleichzeitig auch noch über den Agrarkredit für allfällig gerissene Tiere Ersatz geboten wird. Wir hätten dann quasi eine Verdoppelung der Leistungen.
Wir sind uns einig, dass es sinnvoll ist, den Herdenschutz zu verbessern, weil er präventiv wirkt und Schäden verhindern kann. Das ist der Konsens, den, glaube ich, auch das Parlament gefunden hat. Es braucht deshalb ein Grossraubtier-Management, und es braucht bei der Umsetzung des Herdenschutzes mit den Kantonen griffige Massnahmen.
Die Erfahrungen in diesem Sommer haben gezeigt, dass der Herdenschutz mit Hunden, Zäunen und Hirten in aller Regel gut funktioniert. Alle Risse - es waren in diesem Jahr bisher 130 - sind in ungeschützten oder nicht ausreichend geschützten Herden aufgetreten. Auf den etwa 80 ausreichend geschützten Alpen waren sogar gar keine Risse zu beobachten. Das ist ein Indiz dafür, dass dieser Herdenschutz offenbar ein erfolgreicher Weg ist.
Wir müssen jetzt aber zuerst fundiert abklären, welche gesetzlichen Grundlagen zur längerfristigen Finanzierung des Herdenschutzes nötig sind, mit welchen Kosten der Bund zu rechnen hat und über welches Budget das abgewickelt werden soll. Es gibt eine Arbeitsgruppe Bafu/BLW, die jetzt eine Lösung sucht und voraussichtlich im nächsten Jahr mit diesem Bericht Vorschläge unterbreiten wird.