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Tschümperlin Andy · Nationalrat · 2012-09-27

Tschümperlin Andy · Nationalrat · Schwyz · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-09-27

Wortprotokoll

Herrenhäuser haben in der Innerschweiz eine lange Tradition. Diese wurden von Feudalherren vor einigen Hundert Jahren gebaut. Umschlossen sind sie von grosszügigen Gartenanlagen, meistens von mehreren Tausend Quadratmetern Fläche. Finanziert wurden diese Herrenhäuser in meiner Schwyzer Heimat vor allem durch die Entsendung von jungen Männern in fremde Kriegsdienste. Kasse gemacht mit diesen Diensten haben aber die Feudalherren. Junge Männer wurden ausgebeutet, ja in den Tod geschickt, um Reichtum für wenige zu generieren.

Es ist für uns aufgeklärte Menschen heute absolut klar, dass diese feudalistischen Ausbeutungen abgeschafft werden mussten. Die Aufklärung hat den Menschen vor über zweihundert Jahren die Augen geöffnet. Dazu stellt sich die Frage: Sind unsere Augen tatsächlich offen? Sehen wir klar?

Fahren Sie einmal mit dem Velo den Zugersee entlang. Im ehemaligen Bauerndorf Risch finden Sie in den letzten Jahren neu aufgebaute Paläste, die genau an diese Zeit erinnern: riesige Grundstücke, bepflanzt mit ökologisch toten Rasenteppichen, umgeben von schmiedeeisernen Zäunen, bewacht von Sicherheitsdiensten, und in der Mitte der Parkanlage Paläste, die mehr an amerikanische Fernsehserien erinnern als an ein Bauerndorf. Finanziert werden diese Paläste durch Neofeudalherren, die ihren Reichtum mit diesen Palästen zur Schau stellen.

Diese Topmanager sind in den letzten Jahren nicht nur durch ihre Eigenheime aufgefallen, nein, auch durch horrende Löhne und Boni. Selbstverständlich bleibt diese Entwicklung in einem demokratischen Land wie der Schweiz nicht unbemerkt.

Die Juso hat diese für unser Land fragwürdige Entwicklung aufgenommen und eine Volksinitiative gestartet. Sie hat es geschafft, was zum Teil nicht einmal Bundesratsparteien schaffen: Sie hat innerhalb der Sammelfrist 113 005 Unterschriften für die Initiative "1:12 - Für gerechte Löhne" gesammelt. Gerechte Löhne, darum geht es. Es geht um Löhne, die die Menschen auch als gerecht empfinden. Es ist auch möglich, dass man gerechte Löhne zahlt. Als Beispiel dafür nenne ich ein Unternehmen aus meiner Heimatgemeinde. Das Familienunternehmen Victorinox produziert seit über hundert Jahren Messer. Sie alle kennen die weltberühmten Sackmesser. Das Unternehmen überzeugt nicht nur durch eine sozial geprägte Personalpolitik, nein, das Unternehmen überzeugt auch durch eine beispielhafte und transparente Lohnpolitik. Die Löhne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen etwa 10 Prozent über dem schweizerischen Durchschnitt. Das Mindestgehalt beträgt rund 50 000 Franken. Die Spitzenkräfte bekommen nur knapp fünfmal so viel. Ihre Löhne liegen unter 250 000 Franken pro Jahr.

Was macht die Juso? Die Juso geht in ihrer Initiative viel weniger weit als Victorinox. Sie verlangt, dass niemand in einem Jahr weniger verdient als der bestbezahlte Manager im gleichen Unternehmen im Monat. Das ist eine absolut realistische Forderung, die den Industriestandort Schweiz stärkt, die soziale Verantwortung gegenüber allen Mitarbeitenden in einem Unternehmen stützt und ein Stück Gerechtigkeit zurückbringt. Ich will keinen Neofeudalismus, ich will gerechte Löhne für alle.

Darum: Unterstützen Sie das Anliegen der Juso!

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