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Leuthard Doris · Bundesrat · 2012-09-10

Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2012-09-10

Wortprotokoll

Ich habe sehr gerne Fisch, und es wäre mir deshalb sympathisch, wenn wir den Fischfangertrag in der Schweiz erhöhen könnten. Auf der anderen Seite komme ich aus dem Kanton Aargau mit dem Hallwilersee. Dort hat man jahrelange Erfahrung mit Überdüngung, mit millionenschweren Sanierungen, um den See einigermassen ins Gleichgewicht zurückzuführen. Diese Politik, und das betrifft praktisch alle Mittellandseen in der Schweiz, war über Jahre hinweg erfolgreich; sie kostete aber enorm viel. Heute haben wir eine Situation, wo wir nicht wieder "back to square one" gehen sollten.

Wir haben das Anliegen der Motion sehr ernst genommen und deshalb auch die Eawag wirklich gebeten, das genau anzuschauen. Sie haben sie angehört. Ich möchte mich auch bei der Kommission für diesen Effort bedanken. Aber die Experten der Eawag sind meines Erachtens klar in ihren Äusserungen; die Eawag ist eines der renommiertesten [PAGE 652] Institute weltweit. Ich sehe keinen Anlass, von diesen Erkenntnissen abzuweichen.

Wir haben in der Schweiz über Jahre keine rückläufigen Fangerträge. Wir sind relativ stabil bei 1700 Tonnen Fisch pro Jahr, welche den Fangertrag darstellen. Es wurde aber richtigerweise gesagt, dass der Brienzersee den mit Abstand tiefsten Fangertrag ermöglicht. Aber auch das - das haben die Fakten der Eawag klar zutage gefördert - entspricht dem natürlichen Zustand dieses Sees, wie er sicher vor 1950 bestand. Er ist ein Alpensee; ihm wird, wie es Herr Ständerat Minder richtig gesagt hat, entsprechend wenig Alpenbiomasse zugeführt; hier gibt es also eine natürliche Erklärung.

Wenn wir jetzt wieder künstlich Phosphor zuführen würden, wäre das ein klarer Eingriff in die natürliche Beschaffenheit des Brienzersees und würde deshalb auch das ökologische Gleichgewicht wieder infrage stellen. Wenn man solche Eingriffe auch nur mit einem Test zulässt, dann müsste zuvor wissenschaftlich mindestens die Vermutung bestehen, dass nicht mehr ein natürlicher Zustand besteht respektive dass die Grenzwerte, die wir festgelegt haben, generell zu hinterfragen sind. Dann darf das aber nicht nur für den Brienzersee gelten, dann müsste die Grenzwertproblematik generell für alle Seen angeschaut werden. Die Biodiversität in den Seen ist etwas sehr Sensibles. Wir meinen deshalb, dass ein Projekt, dass ein Pilotversuch mit weitreichenden Folgen, zumal heute die langfristigen Auswirkungen auf den Brienzersee nicht abschätzbar sind, abzulehnen ist.

Ich bitte Sie deshalb, der Mehrheit Ihrer Kommission zu folgen.

Herr Ständerat, ein Wort noch zu dieser Kraftwerksproblematik: Die Eawag hat das angeschaut, weil ja immer aufgeworfen wurde, die KWO seien an der Kleinheit der Fische schuld. Dem ist nicht so. Die Eawag hat im Rahmen des Brienzerseeprojektes Untersuchungen angestellt und festgestellt, dass in den Grimselstauseen jährlich maximal 2 Tonnen Phosphat zurückgehalten werden. Das wird mehr als kompensiert durch die Auswirkungen, die sich über die häuslichen Abwässer der Menschen und die Landwirtschaft ergeben, und kann also für sich allein kein Grund für die kleinen Fische im Brienzersee sein.