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Graf Maya · Nationalrat · 2013-06-19

Graf Maya · Nationalrat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2013-06-19

Wortprotokoll

Wir möchten heute unseren Generalsekretär Christoph Lanz offiziell verabschieden, obwohl wir natürlich noch bis zum Ende der Session auf seine wertvolle Unterstützung zählen dürfen. Wir haben diesen Zeitpunkt gewählt, weil wir heute in der Vereinigten Bundesversammlung zusammengekommen sind.

Geschätzter Christoph Lanz, über dreissig Jahre standest Du für das Parlament im Einsatz; damit verkörperst Du über dreissig Jahre gesammeltes Wissen über das Parlament!

Christoph Lanz wurde am 5. Juni 1948 in Basel geboren. Es war das Jahr, in dem der Bundesstaat sein hundertjähriges Jubiläum feiern konnte, in dem im Bundeshaus in Bern erstmals ein Sozialdemokrat Präsident des Ständerates wurde, in dem Gottlieb Duttweiler mit seinem berühmten Steinwurf an einem Fenster des Parlamentsgebäudes einen Schaden von Fr. 182.90 verursachte und in dem im Nationalrat die Simultanübersetzung eingeführt wurde.

Christoph Lanz besuchte die Schulen in Basel. Bereits im Gymnasium übernahm er als Klassenchef, wen wundert's, Koordinations- und Führungsaufgaben. Anschliessend studierte er in Basel und in Genf Recht und erwarb an der Universität Bern den Doktortitel. Es folgten das Anwaltspatent und weitere Studien an der Harvard-Universität in den USA. Doch seiner Heimat Basel blieb er bis heute treu: Seinen Dialekt hat er behalten, Cortège und Schnitzelbänke sind für ihn mehr als Folklore, und keine unserer Debatten löst bei ihm derartige Emotionen aus wie ein Match des FC Basel.

1982 trat Christoph Lanz in die Parlamentsdienste ein, das Bundeshaus wurde zu seinem Arbeitsplatz. Es war das Jahr, in dem unsere Vorgängerinnen und Vorgänger im Bundeshaus Alphons Egli und Rudolf Friedrich in die Landesregierung wählten.

Christoph Lanz startete seine Bundeshauskarriere als wissenschaftlicher Adjunkt, dann wurde er Leiter des Rechtsdienstes. 1989 war er Sekretär der PUK EJPD. Er war damit an einem dramatischen Kapitel der Schweizer Politik beteiligt. 1992 wurde Christoph Lanz Sekretär des Ständerates, Chef der Wissenschaftlichen Dienste und Mitglied der Geschäftsleitung der Parlamentsdienste. Es war das Jahr, in dem im Bundeshaus die Parlamentsreform stattfand, mit der die ständigen Kommissionen eingeführt wurden. Christoph Lanz hat diese Systemänderung, den Ratsbetrieb und die Parlamentsdienste mit seinem Wissen, seinem Engagement und seiner Arbeit stark mitgeprägt. So ist es nicht verwunderlich, dass er 2005 stellvertretender Generalsekretär wurde und seine Karriere 2008 mit der Wahl zum Generalsekretär der Bundesversammlung gekrönt wurde. Es war das Jahr, in dem im Bundeshaus die Uhren anders zu ticken begangen, zumindest im Ständerat: In der Kleinen Kammer beginnen die Morgensitzungen seither erst um 08.15 Uhr.

Ein Leben im Dienste der Bundesversammlung - so könnte man die berufliche Karriere von Christoph Lanz zusammenfassen. Ein Leben begleitet von Ereignissen im Bundeshaus, die Geschichte schrieben. Unsere Institutionen, der Parlamentarismus, das Parlamentsrecht und die Geschehnisse im Bundeshaus liegen Christoph Lanz im Blut und am Herzen. Er sieht immer das Ganze; für ihn stehen das Funktionieren der Bundesversammlung, das Zusammenspiel der beiden Kammern, die Sinnhaftigkeit und Praktikabilität der rechtlichen Grundlagen im Vordergrund. Die Tatsache, dass [PAGE 1222] er an der Universität Bern Parlamentsrecht lehrt und das auch weiterhin tun wird, ermöglicht es auch der jungen Generation, an diesem Wissen und an dieser Leidenschaft teilzuhaben.

Neben seinem Einsatz für die Institution wirkte Christoph Lanz auch als rechte Hand der Ratspräsidentinnen und Ratspräsidenten; zuerst im Ständerat, seit 2008 im Nationalrat. Wenn ich "rechte Hand" sage, so muss ich mich sofort korrigieren: Er war natürlich nicht bloss Hand, sondern auch Kopf. Er dachte immer mit, er plante vor, und er dachte für uns nach. Er hat uns dort unterstützt und angeleitet, wo es nötig war, und sich doch immer wieder zurückgehalten und "seinem" Präsidenten oder "seiner" Präsidentin jede Freiheit gelassen.

So kennen wir ihn alle: ein Mensch, der korrekt und unparteiisch hilft und berät, der Lösungen findet, der uns aber auch mit Schalk und Witz begegnet.

Und etwas Weiteres zeichnet Christoph Lanz aus, das ist seine absolute Diskretion. Stellen Sie sich vor: Aus dreissig Jahren könnte er eine Riesenmenge über uns und unsere Vorgängerinnen und Vorgänger erzählen. Er hat auch mir mit viel Fingerspitzengefühl über die eine oder andere Hürde geholfen, wohl oft ohne dass ich überhaupt etwas bemerkt habe.

Bei allem Einsatz für das Parlament hatte und hat Christoph Lanz noch ganz andere Seiten. Seine Fussballleidenschaft habe ich erwähnt, seine Ausdauer trainiert er mit Joggen, und auch die Natur und die Bergwelt haben es ihm angetan. Der Niesen ist für ihn der schönste aller Berge. Und auch die Kunst war für ihn immer Inspiration. Die ideale Verbindung von Bergen und Kunst sieht er im Niesen-Bild von Paul Klee verkörpert. Die ganz grosse Kraftquelle ist hingegen seine Familie, seine Frau Dorothée und seine längst flügge gewordenen, aber ihm doch stark verbunden gebliebenen drei Söhne.

Lieber Christoph, in wenigen Tagen geht Deine letzte Session zu Ende. Für Dich wird das eine grosse Zäsur sein, aber auch für uns ist damit ein Einschnitt und ein grosser Verlust verbunden. Im Namen aller Ratsmitglieder, die mit Dir zusammenarbeiten, und auch im Namen des Ständeratspräsidenten, möchte ich Dir aus ganzem Herzen für Dein Engagement, Deine Arbeit und Deine grosse Loyalität danken. Für die kommende Zeit wünsche ich Dir neuen Freiraum, viele Aktivitäten und einfach von Herzen alles Gute. (Stehende Ovation; die Präsidentin überreicht Herrn Lanz einen Blumenstrauss)

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Schluss der Sitzung um 08.20 Uhr

La séance est levée à 08 h 20

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