Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · 2010-06-17
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2010-06-17
Wortprotokoll
Die Initiative müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, zu keiner Diskussion Anlass geben, weil es einfach ein klares Ja braucht. Waffen töten. Sie sind also hochgefährlich, und deshalb müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Waffen registriert werden und dass die Waffenbesitzerinnen und Waffenbesitzer den Bedarf und die erforderlichen Fähigkeiten nachweisen müssen.
Wir führen sonst für alles Register: Jedes Auto ist registriert. Gerade eben haben wir das Kinderzulagenregister geschaffen; es sei dringend, wurde gesagt, wegen dem Doppelbezug von 250 Franken Kinderzulagen. Wir machen ein Hundegesetz; alle Hunde werden registriert; wir wollen Hunderassen verbieten, weil sie so gefährlich seien; wir wollen den Hunden Maulkörbe überstülpen; dazu kommt, dass die Hundebesitzerinnen und Hundebesitzer auch noch zum Besuch einer Hundeschule verpflichtet werden. Wir haben ein Gesetz gegen Hooliganismus eingeführt; die Überwachung sei dringend, wurde gesagt. Aber Sturmgewehre, Pistolen, Revolver usw. sollen alle legal erworben werden können, ohne jede Registrierung, ohne Nachfrage, wozu sie gebraucht werden. Und Sie erinnern sich vielleicht: Friedrich Leibacher aus Zug hatte all das legal erworben - 14 tote Regierungs- und Kantonsräte waren das schauerliche Fazit. Das kann nicht Ihr Ernst sein! Rund 2,4 Millionen Schusswaffen sind in der Schweiz praktisch unkontrolliert im Umlauf bzw. zu Hause. Davon sind nur 250 000 bei aktiven Soldaten, rund 1,5 Millionen Waffen sind bei ehemaligen Soldaten und rund 0,5 Millionen Waffen bei Jagd- und Sportschützen. Nur nebenbei: Auch Leibacher war Mitglied eines Schützenvereins!
Zum Glück kennt die Schweiz keine Selbstjustiz mehr. Was also machen all die Waffen zu Hause? Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass sie ins Zeughaus gehören statt in den Schrank; überflüssige Waffen werden selbstverständlich eingesammelt. Allzeit bereit im Krieg kann ja nicht ernsthaft ein Argument Ihrerseits sein. Krieg kommt nicht von heute auf morgen, und wenn schon eine Bewaffnung vorgenommen werden muss, ist der Gang via Zeughaus alleweil noch möglich. Eine Eigenverteidigung im Bürgerkrieg wäre fatal: ein gegenseitiges Abschlachten mit vom Staat gelieferten Waffen ...
Sie wissen, mit Waffen kommt es zu sehr viel Leid, auch in der Schweiz: einerseits bei häuslicher Gewalt, meist von Männern gegenüber Frauen und Kindern, als Droh- und Machtinstrument - das macht das Leben für die Betroffenen bereits zur Hölle -, aber andererseits auch effektiv im tödlichen Einsatz, bei Suizid leider auch. Sie wissen wahrscheinlich auch, dass Suizid die häufigste Todesursache bei [PAGE 1108] Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren ist. Allein durch Militärwaffen werden jährlich 300 Menschen getötet.
Es kann doch nicht sein, dass immer noch eine Mehrheit von Männern und, wie ich höre, auch einige Frauen hier drinnen die Waffe mit Ehre und Männlichkeit verwechseln! Damit werden Gewalt, Bedrohung und Tod in Kauf genommen. Was sind das für Männer, die ihre Männlichkeit über Waffen beweisen müssen? Entgegen dem, was ich heute immer wieder gehört habe, ist es keine Einschränkung der Freiheit, Waffen sind nun einmal kein Menschenrecht.
Ich bitte Sie: Sagen Sie Nein zu diesem überholten Männlichkeitswahn, und sagen Sie Ja zur Initiative und damit zu mehr Schutz vor Waffengewalt!