Schenk Simon · Nationalrat · 2010-06-17
Schenk Simon · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2010-06-17
Wortprotokoll
Ich bin ja hier im Nationalrat so etwas wie ein Exote: Im Gegensatz zu Ihnen, den nicht ganz 199 anwesenden sportlichen Nationalrätinnen oder Nationalräten, bin ich kein sportlicher Politiker, sondern eher ein politisierender Sportler! Deshalb erlaube ich mir, hier in erster Linie die Sicht des Sportes einzubringen.
Ich bitte Sie im Namen des Sportes dringend, diese Initiative abzulehnen, und zwar gilt meine Empfehlung sowohl aus der Sicht des Spitzensportes wie auch aus der Sicht des Breitensportes. Im Schützenhaus haben nämlich sowohl disziplinierter Wettkampfgeist wie auch gesellige Kameradschaft ihren Platz. Das Schützenhaus ist ein idealer Ort der Begegnung, wo auch schiessende Politiker ausnahmsweise an den Stammtisch gelangen und so vielleicht wieder einmal den Puls des Volkes spüren, was ja bekanntlich in unserem Doppelleben in Beruf und Politik eher selten der Fall ist.
Die Initiative wäre der Tod des Schiesssportes, das wurde bereits mehrfach gesagt. Das Feldschiessen, das Obligatorische, Jungschützenkurse, Schiessübungen, regionale, kantonale und eidgenössische Schützenfeste würden rasch verschwinden. Ein ganzer Sportverband wäre in seiner Existenz mehr als gefährdet. Der Schweizer Schiesssportverband - auch das wurde mehrfach gesagt - ist immerhin der viertgrösste Sportverband des Landes. Grösser sind nur die Verbände von Fussball, Turnen und Tennis.
Wer würde sich noch am Schiessen beteiligen, wenn er sein Gewehr vor jeder Übung und vor jedem Schiesswettkampf im Zeughaus abholen und nach dem Schiessen auch wieder dorthin zurückbringen müsste? Für das Ausüben eines Hobbys müsste man zum Teil viele Kilometer sinnlos in der Gegend herumfahren. Das kann es wohl nicht sein! Neben dem zeitlichen Aufwand müsste auch der ökologische Stumpfsinn dieser Lösung in Betracht gezogen werden. Mir ist es ein Rätsel, wie ausgerechnet linke und grüne Kreise hinter der Initiative stehen können, denn gerade sie sind es doch, die sich im Normalfall ganz extrem um unsere Umwelt Sorgen machen. Wo bleibt denn da die ökologische Vernunft?
Selbstverständlich lehne auch ich jegliche Waffengewalt und kriminellen Waffenmissbrauch ab. Dass dies aber durch die Annahme der Initiative verhindert würde, ist eine Illusion. Gangster und Kriminelle werden immer einen Weg zu Waffen finden. Da wäre es unverhältnismässig, wenn man die über 200 000 Mitglieder des Schiesssportverbandes mit den Auflagen der Initiative schikanieren würde.
Die Schweiz hat mit dem Waffen- und dem Militärgesetz heute schon eine strenge Gesetzgebung, die alles abdeckt, was vernünftigerweise in Sachen Sicherheit im Zusammenhang mit Schusswaffen geregelt werden muss. Die Umsetzung dieser Gesetze genügt. Mit der Waffenverbots-Initiative würde das Vertrauen in unsere Bürger weiter untergraben. Derartige Attacken auf unsere Freiheit lehne ich strikte ab.
Die Gefahr, dass der Initiative mit Angstmacher-Theorien vor dem Volk zum Durchbruch verholfen wird, ist nicht zu unterschätzen; ich verweise etwa auf den Sarg, der heute vor dem Bundeshaus aufgestellt wurde. Aus Erfahrung weiss ich, dass sich Sportler nur sehr schwer an die Urne bitten lassen. Deshalb rufe ich alle sportfreundlichen Kreise schon heute auf: Wer nur im weitesten Sinn etwas mit dem Sport am Hut hat, soll bitte zu dieser Waffenverbots-Initiative Nein sagen. Solidarisieren Sie sich mit den Schützen!