Engler Stefan · Ständerat · 2013-09-12
Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Fraktion CVP-EVP · 2013-09-12
Wortprotokoll
Ich schliesse mich dem Dank von Kollege Imoberdorf für die Antworten auf seine Interpellation an und möchte an dieser Stelle einmal ausdrücklich auch dem Eidgenössischen Jagdinspektor, Herrn Schnidrig, ein Kränzchen winden. In den vielen sensiblen Auseinandersetzungen um die Grossraubtiere pflegt er eine sehr offene Kommunikation, und selbst wenn man vielleicht nicht immer mit ihm einig ist, scheut er auch die Diskussion mit empörten Landwirten und empörten Leuten in Versammlungen irgendwo in Talschaften nicht, die von dieser Problematik betroffen sind.
Neu ist, im Unterschied zur Situation vor vielleicht zehn oder fünfzehn Jahren, dass sich heute Wolfsrudel zu bilden beginnen. Damals waren es ausnahmslos einsame Wölfe. Heute stehen wir vor der Situation, dass sich in den Schweizer Alpen und Voralpen eine Wolfspopulation zu etablieren beginnt. Die alten Rezepte, die vor allem auf Schutz und auf einzelne schadenstiftende Wölfe ausgerichtet waren, taugen also nur noch beschränkt, um die künftigen Probleme zu lösen und die künftigen Wolfsbestände zu regulieren. Die Anpassung der Jagdverordnung und die sich in Arbeit befindende Anpassung des Wolfskonzepts sind daher zu begrüssen. Sie müssen zum Ziel haben, einerseits die Auswirkungen auf Nutztiere und Wildtiere zu begrenzen und andererseits aber auch die Akzeptanz bei der betroffenen Bevölkerung zu erhöhen. Dazu gehört auch ein zeitgemässer und zumutbarer Herdenschutz - aber nicht nur.
Wo in einer Region künftig ein Dutzend oder mehr Wölfe - die Wölfe haben bekanntlich eine hohe Reproduktion - umherstreifen und trotz Herdenschutz Schäden an Nutztieren anrichten oder den Wildbestand gefährden, müssen Wolfsabschüsse, gestützt auf die Jagdverordnung, nicht nur möglich sein, sondern auch durchgesetzt werden können, und das auf eine pragmatische Art und Weise, ohne allzu viel Bürokratie. Von der Erarbeitung des neuen Konzeptes Wolf Schweiz erwarte ich, dass im Wesentlichen diese drei Stossrichtungen verfolgt werden:
1. Das neue Wolfsmanagement hat verstärkt einen gesamtheitlichen Ansatz zu verfolgen. Nebst dem Schutz des Wolfes und der Artenvielfalt - das stand in der Vergangenheit im Vordergrund - sind neu gleichwertig auch die Interessen der landwirtschaftlichen Nutzung von Maiensässen und Alpen, die jagdliche Nutzung, aber auch die touristischen Interessen zu berücksichtigen.
2. Der strenge Schutz des Wolfes hat in anderen Ländern - ich nenne Frankreich, Schweden, Norwegen - zu einem raschen Wachstum der Wolfspopulation geführt. Wir spüren das zunehmend auch bei uns. Die Bevölkerung hat dort jeweils Reduktionsjagden verlangt. Solche wurden auch durchgeführt. Ich glaube, wir täten gut daran, uns auch an diesen Erfahrungen und Beispielen zu orientieren und die Entnahme von Einzelwölfen für die Steuerung der Rudelgrösse klar zu regeln.
Dafür ist in erster Linie der gesamte Spielraum der Berner Konvention auszunützen. Genügt dies nicht, schliesse ich mich Kollege Imoberdorf an, dass auch eine Änderung, eine Rückstufung des Schutzgrades in der Berner Konvention in Betracht zu ziehen ist. Alles andere führt jeweils, wenn ein Problem auftritt, bei dem Entnahmen notwendig werden, zu langwierigen und unschönen Diskussionen.
3. Ein letzter Aspekt, welcher in der Bearbeitung des Wolfskonzepts Berücksichtigung finden müsste, betrifft die nach meinem Dafürhalten - und das ist nicht zu unterschätzen - zum grossen Teil fehlende Akzeptanz bei der ortsansässigen Bevölkerung. Die Leute, die von Schutzvorkehrungen, von Einschränkungen und Kosten betroffen sind, müssen eine Stimme bekommen, wenn es um die Grossraubtiere geht und hier im Speziellen um die Frage, wie viele Wölfe wir in einem Gebiet zulassen wollen. Die Forderung nach einem geeigneten Einbezug der betroffenen Bevölkerung muss berücksichtigt werden.