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Baumann Stephanie · Nationalrat · 2001-09-20

Baumann Stephanie · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-09-20

Wortprotokoll

Ich will mich nicht darüber auslassen, wie schädlich das Rauchen ist und welche volkswirtschaftlichen Kosten durch Tabakkonsum entstehen. Das alles wissen wir doch eigentlich, aber dieses Wissen hindert bekanntlich Raucherinnen und Raucher nicht am Rauchen. Ich will auch das Rauchen nicht verbieten. Ich will lediglich, dass ein unerträglich schizophrener Zustand endlich korrigiert wird.

Auf der einen Seite haben wir staatliche Tabakpräventionsprogramme, die darauf abzielen, Raucherinnen und Raucher vom Tabak wegzubringen und vor allem Jugendliche vom Tabakkonsum abzuhalten. Auf der anderen Seite haben wir eine Tabakindustrie, die Jugendliche angeblich nicht zum Rauchen verführen will, aber trotzdem nicht auf die Tabakwerbung verzichten zu können glaubt. Warum kann sie dies eigentlich nicht? Es ist doch offensichtlich: Die Tabakindustrie braucht immer neue Kunden. Ganz offensichtlich können neue Kunden mittels Werbung gewonnen werden; sonst würde man doch keinen Franken in die Werbung investieren. Selbstverständlich richtet sich die Zigarettenwerbung an die Jugendlichen. Wer geht eigentlich regelmässig ins Kino? Sicher nicht die Generation, die hier im Saal sitzt; es sind die jungen Menschen. Wer Werbung macht, der definiert sein Zielpublikum und weiss auch, wo er dieses abholen kann. Die Jugendlichen holt man dort ab, wo sie ihre Freizeit verbringen, und das ist eben im Kino, an Konzerten usw.

Dann hat uns doch die Werbeindustrie geschrieben, dass wir aus ordnungspolitischen Gründen kein Werbeverbot erlassen dürfen, sondern stattdessen mit Information und Aufklärungskampagnen arbeiten sollen. Die Werbebranche verdient ja an beidem: an der Werbung, die sich an die Jugendlichen richtet, und an den Kampagnen auch wieder, welche die gleichen Jugendlichen dann wieder vom Rauchen abhalten sollen. Ich finde, die Werbebranche hätte in diesem Fall besser darauf verzichtet, uns diesbezüglich einen Brief zu schreiben.

Machen wir uns nichts vor: Es geht bei dieser Diskussion um handfeste finanzielle Interessen. Die Tabakindustrie braucht neue Kunden, damit die älteren Aussteiger kompensiert werden können, und die Werbebranche will die Werbeaufträge. Aber das sind keine ausreichenden Gründe, um von einem Werbeverbot abzusehen.

Ich habe mich jetzt nur zum ersten Punkt der Parlamentarischen Initiative Grobet geäussert, weil hier der grösste, von finanziellen Interessen geprägte Widerstand spürbar geworden ist. Aber auch die weiteren Vorschläge der Initiative sind sicher prüfenswert, dienen sie doch alle dem gleichen Ziel, nämlich die Jugendlichen vom Rauchen abzuhalten, damit sie gar nicht mit Rauchen beginnen. Ich denke, angesichts der massiv zunehmenden Zahl jugendlicher Raucherinnen und Raucher wäre es richtig, wenn wir in diesem Fall endlich etwas unternehmen würden.

Ich bitte Sie dringend, der Initiative eine Chance zu geben und die Minderheit der Kommission zu unterstützen.

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