Lexipedia

Glättli Balthasar · Nationalrat · 2013-03-20

Glättli Balthasar · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2013-03-20

Wortprotokoll

Haben Sie gewusst, dass über 90 Prozent der Dioxinbelastung der Menschen auf Lebensmittel zurückgehen? Der grösste Teil davon wegen des Verzehrs von Fleisch, Milchprodukten und Eiern. Haben Sie gewusst, dass die Dioxinbelastung der Tiere, die zur Belastung der Lebensmittel führt, natürlich auf das Futter zurückgeht?

Schon die Kinder lernen in der Schule, was eine Nahrungskette ist. Die Kleinen werden von den Grösseren gefressen, die Grösseren von noch Grösseren. Das ist die Natur. Aber es gibt dann Probleme, wenn sich Giftstoffe, die im einzelnen kleinen Organismus sind, plötzlich anreichern und zu Mengen werden, die für uns Menschen am Schluss in den Lebensmitteln gesundheitsgefährdend sind.

Es gibt diese Beispiele, und sie sind Legion. Ende der Neunzigerjahre gab es den BSE-Skandal wegen der Verfütterung von ungenügend behandeltem Tiermehl und Tierfett. Im Jahr 2001 waren es Antibiotika in Garnelen, die dann an Fische verfüttert wurden, die dann wiederum in den Mägen von Schweinen und Geflügel landeten. Im Jahr 2002 war es Nitrofen in einer Lagerhalle; im Biofleisch von Schweinen und in den Bioeiern von Geflügel, die das Korn aus dieser Lagerhalle gefressen hatten, gab es dieses Nitrofen in gesundheitsgefährdender Menge. Biomais aus der Ukraine mit Dioxin belastet - das war in den Jahren 2009/10. Im Jahr 2010 war es die Mischfettsäure. Anfang März 2013 hatten wir 45 000 Tonnen Mais aus Serbien, die mit einem krebserregenden Schimmelpilzgift behandelt worden waren. 10 000 Tonnen davon wurden über einen niedersächsischen Futtermittelhersteller - wer weiss? - vielleicht auch in die Schweiz verkauft.

Sie sehen, die Nahrungskette kann man nicht einfach künstlich kürzen und sagen, wenn es um die Gesundheit von Menschen gehe, schauten wir erst direkt beim Tier hin. Vielmehr müssen Sie auch auf den Anfang der Nahrungskette schauen. Andere haben das gemerkt - manchmal kann man ja von anderen lernen -: In Deutschland gibt es eben nicht nur das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz, wie es dort heisst, sondern auch ein Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch. Denn das, was die Tiere fressen, landet am Schluss auch in unseren Mägen.

Deshalb unterstützen die Grünen mit Überzeugung den Minderheitsantrag Carobbio Guscetti. Es ist ja vielleicht kein Zufall, dass er von einer Medizinerin gestellt wurde, die eben nicht die Interessen der Lebensmittelindustrie an einer möglichst hohen Gewinnmaximierung an erste Stelle setzt, sondern die Gesundheit von uns allen, die wir am Schluss diese Lebensmittel essen. Wir Grünen legen Ihnen ans Herz, diesem Minderheitsantrag zuzustimmen. Das ermöglicht dann, mit der Rückweisung, ein zukunftsfähiges Gesetz zu entwickeln, das die ganze Nahrungskette beschlägt.