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Lohr Christian · Nationalrat · 2013-03-21

Lohr Christian · Nationalrat · Thurgau · Fraktion CVP-EVP · 2013-03-21

Wortprotokoll

Das Thema, das wir heute Morgen besprechen, hat sehr viel mit Würde und Respekt zu tun. Ich meine, dass wir diese Debatte auf einem entsprechenden Niveau führen müssen. Ich finde deshalb die ideologischen und medialen Spielchen völlig fehl am Platz.

Ich oute mich: Ich habe selber keine Kinder, und doch, ich betone das ausdrücklich, ist mir der Schutz von Kindern und besonders Schutzbedürftigen ein Herzensanliegen. Ich bin deshalb ein wenig irritiert darüber, dass wir in der heutigen Debatte eigentlich sehr wenig über den Schutz selber gehört haben. Mit Schutz meine ich, dass wir uns Gedanken darüber machen, warum es überhaupt zu solchen Straftaten kommt. Was sind die gesellschaftlichen Entwicklungen oder - um das Wort eines Vorredners aufzunehmen, das hier wirklich passt - Fehlentwicklungen in unserer Gesellschaft? Warum werden an Kindern und besonders Schutzbedürftigen solche Straftaten gegen die sexuelle Integrität begangen? Ich hätte mir gewünscht, dass man sich am heutigen Morgen auch mit diesem Thema mehr befassen, sich damit wirklich inhaltlich mehr auseinandersetzen würde.

Ich habe in meinem bisherigen Leben eigentlich sowohl beruflich als auch in der Freizeit in zwei Bereichen sehr intensiv mitgearbeitet. Da ist einmal der Sportbereich; ich bin sehr froh und schätze es überaus, dass wir die Notwendigkeit erkannt haben, sporttreibende Kinder zu schützen. Wir haben ein sehr modernes Sportförderungsgesetz, das seit dem 1. Oktober 2012 in Kraft ist und in dem man ausdrücklich festhält, dass Personen, die eine entsprechende Straftat begangen haben, nicht mehr mit Kindern arbeiten sollen und arbeiten dürfen. Auch bin ich natürlich in langjähriger Arbeit als Präsident des schweizerischen Behindertensportverbandes sehr intensiv mit diesem Thema bei behinderten Kindern befasst gewesen, und auch dort kann ich Ihnen versichern, dass wir diesem Problemfeld - und es ist natürlich ein sehr heikles Problemfeld - sehr hohe Aufmerksamkeit geschenkt haben.

Ich denke, dass wir uns in einer Gesamtschau einfach bewusst sein müssen, dass wir die politische Verantwortung haben, das Thema so anzupacken und uns in die Richtung zu bewegen, dass wir nicht zu stigmatisieren beginnen und vor allem nicht ein Klima des Misstrauens schaffen, sodass sich nachher niemand mehr im Umfeld von Kindern betätigen will. Ich spreche vom Sportbereich, ich spreche auch von Jugendlichen mit einer Behinderung. Das wäre absolut der falsche Ansatz.

Persönlich muss ich, glaube ich, nicht den Beweis erbringen, dass es für mich eine Nulltoleranz gegenüber Straftätern gibt, die eine Tat gegen die sexuelle Integrität begangen haben. Da lasse ich mich auch, wenn ich mich jetzt öffentlich für die Minderheit I (Caroni) ausspreche, in keine andere Ecke drängen. Personen, die ein Problem haben und dies in eine Straftat umgesetzt haben, müssen streng angegangen werden.