Kiener Nellen Margret · Nationalrat · 2013-03-06
Kiener Nellen Margret · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2013-03-06
Wortprotokoll
Wieso stimme ich Ja zur Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin"? Weil sie die Hausärztinnen und Hausärzte stärken und die flächendeckende Versorgung durch sie garantieren will. Weil eben dieser Typus der medizinischen Generalistin oder des medizinischen Generalisten für weite Teile der Bevölkerung nach wie vor die Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen ist und es - getreu dem Subsidiaritätsprinzip - auch bleiben soll. Weil die Hausärztinnen und Hausärzte rund 80 Prozent aller Krankheitsgeschichten alleine und abschliessend bewältigen und damit ein Wesentliches zu unserer flächendeckenden Gesundheitsversorgung vor Ort beitragen können. Sie tragen ebenfalls zu einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis bei. Ich sage auch als Finanzpolitikerin explizit: Wir sprechen in der Gesundheitsdiskussion viel zu wenig vom Nutzen. Wir sprechen auch zu wenig von Qualität. Diesbezüglich unterstütze ich die von meiner Vorrednerin Bea Heim geäusserte Auffassung, dass auch im Rahmen des Masterplans dem gesetzlich verankerten Qualitätsanspruch noch ergänzend und vermehrt Rechnung zu tragen ist.
Ich bin dankbar, dass die SGK-NR den Gegenentwurf weiterentwickelt hat. Das darf aber nicht dazu führen, dass dem ursprünglichen Anliegen der Initiative zu wenig Rechnung getragen wird. Es braucht in den nächsten Jahren grosse, durch den Bund koordinierte Anstrengungen mit den Kantonen; die Ausbildung des Nachwuchses muss gezielt aufgebaut werden. Weg mit dem viel zu restriktiven, in den Neunzigerjahren politisch durchgedrückten Numerus clausus, der [PAGE 87] sich schon lange als Bumerang erwiesen hat! Ebenso braucht es eine gesicherte permanente Weiterbildung. Ergänzend muss auch die spezifische und praxisbezogene Forschung für Grundversorgungsmedizin auf- und ausgebaut werden. Die Verdienstmöglichkeiten der Hausärztinnen und Hausärzte sollen attraktiv genug sein, damit dieser Beruf besonders in ländlichen Regionen nicht noch mehr erodiert. Als Bewohnerin der Agglomeration Bern muss ich jedoch sagen, dass auch in den Agglomerationen die Ausdünnung der Anzahl Hausärztinnen und Hausärzte ein gefährliches Ausmass angenommen hat.
Die flächendeckende Versorgung der Schweiz mit Hausärztinnen und Hausärzten ist das Rückgrat der medizinischen Versorgung unserer Bevölkerung. Selbstverständlich braucht es daneben die ganze weitere Palette der medizinischen Dienstleistungen. Als Verwaltungsrätin des Universitätsspitals Inselspital Bern darf ich Ihnen sagen, dass auch die Akutspitäler selbstverständlich auf ein gutes, flächendeckendes, funktionierendes Hausärztenetz angewiesen sind, das ihnen ermöglicht, ihre ambulanten und stationären Dienstleistungen auf diejenigen Patientinnen und Patienten zu konzentrieren, die diese wirklich benötigen.
Aus all diesen Gründen bitte ich Sie heute, die Initiative gemäss Minderheit I (Carobbio Guscetti) zur Annahme zu empfehlen, den Gegenentwurf anzunehmen und ihn in der Stichfrage vorzuziehen. Ich ersuche Sie, auch die Motion des Ständerates anzunehmen, und bitte den Bundesrat, im Rahmen der Umsetzung des Masterplans die Qualitäts- und Nutzendiskussion noch vermehrt aufzunehmen.