Minder Thomas · Ständerat · 2012-12-04
Minder Thomas · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2012-12-04
Wortprotokoll
Wer von uns hat am 6. Oktober 2010 die "Rundschau"-Sendung "Schockierender Import von Reptilienleder in die Schweiz" überhaupt gesehen? Das müssten wir uns eigentlich alle zuerst ansehen, dann würde sich nämlich diese Diskussion hier erübrigen. Mir ist es ähnlich ergangen wie Kollege Zanetti; was in diesem Bereich abgeht, das geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Bedrohte Tierarten oder Reptilien, welche auf der Roten Liste stehen, werden auf brutalste Weise getötet bzw. eben nicht einmal getötet, bevor ihnen bei lebendigem Leibe die Haut abgezogen wird; Kollegin Fetz hat das eindrücklich geschildert. Es ist für mich unglaublich, was in diesem Bereich abgeht. Es war für mich ein Déjà-vu, wie damals, als zum ersten Mal ein Fernsehbeitrag über Stopfgänse ausgestrahlt wurde.
Wir alle wissen, dass in diesen Ländern oftmals nur lebende Tiere als Qualitätsmerkmal gelten. Ich habe damals, als diese Sendung ausgestrahlt wurde und ich noch nicht im Parlament sass, noch am selben Abend Ueli Leuenberger von der Grünen Partei ein Mail geschrieben und ihn gebeten, sofort zu intervenieren. Und siehe da: Kollegin Teuscher hat diesen Vorstoss im Dezember 2010 eingereicht. Da hat für mich als Normalbürger der direkte Kontakt zu einem Parlamentarier geklappt. Der Nationalrat hat alsdann diese Motion angenommen. Leider hatte Frau Teuscher nicht den Mut, ein ganz generelles Verbot solcher Importe - woher auch immer, nicht nur aus Indonesien - zu verlangen.
Eigentlich sollte auch der Import von lebenden Reptilien verboten werden. 2011 wurden alleine am Flughafen Zürich sage und schreibe 136 000 lebende Reptilien importiert. Die effektive Anzahl ist natürlich noch viel höher, denn viele Tiere werden gar nicht erst deklariert. Ist das der Zeitgeist? Muss bald jeder Bürger zu Hause eine exotische Schlange oder ein Uhrenarmband aus Reptilienhaut haben? Sind das unsere Wohlstandssymbole? Im letzten Jahr importierte die Schweiz alleine 2,15 Millionen Schuhe, Taschen und Accessoires wie Uhrenbänder aus diesen Reptilienmaterialien.
Diesen Geist, diese Entwicklung sollten wir unterbinden. Es kann nicht sein, dass alles, was kreucht und fleucht, zu Geld gemacht wird. Wir wissen alle, was das einfachste Mittel ist, [PAGE 1049] um diese grauenhaften Methoden der Häutung, oftmals bei lebendigem Leibe, zu unterbinden. Man muss dem Endkonsumenten verbieten, diese Produkte zu kaufen, oder eben den Import stoppen. Mit dem Verbot des Imports unterbinden wir den Verkauf. Wenn das ein paar Länder machen, auch die kleine Schweiz, und speziell jene Länder - Kollegin Fetz hat es angetönt -, die Uhren herstellen, dann kommt hier ein gewisser Druck auf. Die Schweiz ist natürlich mit der Uhrenbranche und den Armbändern für diese Artikel hochattraktiv. Aus dem "Rundschau"-Beitrag war klar ersichtlich, dass die Schweizer Zöllner, wenn sie diese Ware kontrollieren, gar nicht wissen können - dies ist ebenfalls ein wichtiger Punkt -, welche Reptilienhäute überhaupt von Tieren stammen, die auf der Roten Liste stehen, und welche nicht. Es gibt nur eine einzige Methode: den Import dieser Produkte rigoros verbieten, auch wenn da ein paar Häute von noch nicht gefährdeten Tierarten darunter sind.
Kollege Gutzwiller, ich meine, es ist der richtige Lösungsansatz, hier ein Importverbot auszusprechen. Diese Länder verstehen nur diese knallharte Sprache. Ich bin überzeugt, wenn das ein paar Länder machen, gerade jene, welche Uhren herstellen, dann findet in den Exportländern womöglich ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit statt. Die Schweiz sollte hier mit gutem Beispiel vorangehen.
Ich bitte Sie also, diese Motion gutzuheissen, gleich wie der Nationalrat.