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Aebischer Matthias · Nationalrat · 2012-05-29

Aebischer Matthias · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2012-05-29

Wortprotokoll

Wir haben hier in diesem Saal bereits einmal entschieden: Die Haltung von Delfinen und Walen soll in der Schweiz generell verboten werden. Der Ständerat hat nun eine Differenz geschaffen, indem er den Import von Walen und Delfinen verbieten will. Die Mehrheit der nationalrätlichen WBK hat diesem Importverbot zugestimmt, mit dabei geschlossen die Vertretung der SP-Fraktion. Wir empfehlen Ihnen also, dem Ständerat zu folgen und den Minderheitsantrag abzulehnen.

Wie Delfine leben und wie nicht, was sie empfinden und was nicht, was rechtens ist und was nicht - diese Fragen sind für Nichtzoologen und Nichtbiologen wie mich nicht so einfach zu beantworten. Regelrecht bombardiert wurden wir WBK-Mitglieder in den letzten Monaten mit Meinungen und Kommentaren von Fachpersonen und leider auch von Möchtegernfachpersonen. Wir erhielten mehrere Gutachten, die sich diametral widersprechen. So möchte ich nun recht nüchtern einige Fakten präsentieren, die uns - die SP-Fraktion - zur Unterstützung des Halteverbotes bzw. Importverbotes für Delfine bewogen haben.

Natürlicherweise brauchen Delfine sehr viel Platz. Obschon hier die Datenangaben von Gegnern und Befürwortern stark variieren, darf mit Sicherheit von horizontal mehreren Kilometern und vertikal mehreren Hundert Metern gesprochen werden. Das ist ein Ausmass, dem kein Delfinarium nur annähernd gerecht werden kann.

Die Delfine leben in freier Wildbahn in grossen Populationen. Das Sozialleben ist weit entwickelt. Dies ist in Delfinarien nicht möglich.

Werden Delfine im offenen Wasser zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt, sterben sie in Delfinarien oft viel früher. Der jüngste Fall von Delfinsterben hat die Schweiz bewegt. Innert vier Jahren sind hierzulande acht Delfine gestorben.

Die Zahl der Delfinarien in Europa ist stark rückläufig. Bereits führt rund die Hälfte aller EU-Staaten keine Delfinarien mehr. In England beispielsweise wurden sämtliche dreissig Delfinarien geschlossen. Mit einem Importverbot prescht die Schweiz also nicht etwa vor, sondern übernimmt die neuesten Erkenntnisse über Delfinhaltung und passt ihre Gesetzgebung dementsprechend an.

Die Delfinarien sind vom Aussterben bedroht. Das ist gut so. Denn eine artgerechte Delfinhaltung ist im Bergland Schweiz nicht möglich. Die SP-Fraktion unterstützt deshalb das Importverbot und wird dem Ständerat folgen. Den Minderheitsantrag lehnen wir ab.