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Leuthard Doris · Bundesrat · 2010-09-30

Leuthard Doris · Bundesrat · Aargau · 2010-09-30

Wortprotokoll

Nur kurz, denn es wurde ja bereits vieles gesagt. Nochmals: Wir haben jetzt seit fünfzehn Jahren ein Fachhochschulgesetz; wir haben ein Gesetz mit sechs Verordnungen, wir haben Master-Vereinbarungen, eine Bewilligungspflicht. Niemand hat in diesen Jahren gesagt, die Fachhochschulen seien diskriminiert. Wir heben das jetzt aber alles auf und sagen, die Fachhochschulen seien Hochschulen, sie seien gleichwertig. Aber eben, die Andersartigkeit muss ja auch irgendwo zum Ausdruck kommen.

Anfänglich habe ich wie Herr Ständerat Gutzwiller gedacht, wir sollten reinen Tisch machen und das Ganze der Praxis überlassen. Dann hat man mir die Entwicklung in Deutschland vor Augen geführt. Deutschland kennt auch unser duales Berufsbildungssystem - die Fachhochschulwelt, die universitäre Welt. Dort wurde gar nichts bestimmt, dort hat man alles dem Markt überlassen. Was ist passiert? In Deutschland haben sich die Fachhochschulen zu Zweitklassuniversitäten entwickelt. Das ist ein Faktum, ein grosses Problem in Deutschland. Dort sucht man jetzt mühsam nach Wegen, um wieder zu einer Abgrenzung, zu einem Profil der Fachhochschulen mit Praxisorientierung zurückzukommen. Reden Sie einmal mit Ingenieuren. Ich kenne zum Beispiel den Rechtsbereich ein bisschen. Was unterscheidet einen Fachhochschul-Master von einem universitären Master? Das ist relativ schwierig zu sagen. Die Fachhochschule bringt einen Zeitgewinn für die studierende Person. Es ist zum Teil dann aber für den Arbeitgeber recht schwierig, noch eine Unterscheidung zu finden, obwohl es eigentlich ein unterschiedliches Profil sein sollte. Darum geht es uns. Das ist eine Sorge, die wir, glaube ich, ernst nehmen müssen.

Wir wollen die Fachhochschulen in die Hochschullandschaft integrieren. Wir wollen ihre Gleichwertigkeit, das ist unbestritten. Die Andersartigkeit kommt dadurch zum Ausdruck, dass wir sagen: Das Profil ist die Berufsqualifizierung. Dieses hat sich effektiv bewährt. Weltweit werde ich überall, wo ich hinkomme, gefragt, ob man es kopieren könne. Es ist ein Asset der Schweiz, und deshalb glaube ich, dass es sich lohnt, es beizubehalten. Wenn wir in fünfzehn Jahren zum Schluss kommen, es habe sich etabliert, können wir es immer noch streichen, aber ich glaube, es ist eine Guideline, die eine Hilfe ist, sowohl für die Trägerschaften als auch für die Studierenden.

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