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Schmid Martin · Ständerat · 2014-06-03

Schmid Martin · Ständerat · Graubünden · FDP-Liberale Fraktion · 2014-06-03

Wortprotokoll

Manchmal kommt der Gesetzgeber zu spät. Es ist in der Tat so, dass man vor zehn, elf Jahren in der Schweiz die Frage nach dem Mangel an Ausbildungsplätzen für Lehrlinge diskutiert hat. Ich möchte aber hier die aktuelle Situation - und das hat mir in der Diskussion bisher gefehlt - wiedergeben. Gerade in der letzten "NZZ am Sonntag" stand geschrieben, dass in der Schweiz noch 13 000 Ausbildungsplätze im Lehrlingsbereich offen sind. 13 000 Plätze! Ich habe mich dann erkundigt, ob das stimmen kann. Aus der Statistik der wöchentlich aktualisierten Lehrstellennachweise der Kantone geht hervor, dass Ende Mai landesweit noch 13 635 Ausbildungsplätze mit Lehrbeginn Sommer 2014 unbesetzt waren. Das ist eine riesige Zahl. Selbst in dem von unserer Regulierung betroffenen Baugewerbe sind noch 400 Lehrstellen offen. Und wenn man mit Lehrmeistern spricht, so erfährt man, dass viele heute Mühe haben, diese Lehrstellen in ihren Betrieben zu besetzen, auch wenn sie sehr gerne Lehrlinge annehmen würden. Kollege Graber hat auch schon darauf hingewiesen, warum diese Situation eingetreten ist. In dem erwähnten Artikel wird dann ein Herr Giezendanner vom St. Galler Kantonsamt zitiert, der ganz klar darauf hinweist, dass jetzt die geburtenschwachen Jahrgänge kämen und dass allein im Kanton St. Gallen gegenüber dem Jahre 2008 rund 20 Prozent weniger Schulabgänger vorhanden seien, welche eben eine Lehrstelle besetzen könnten. Ich glaube, das ist auch eine Realität. Wir befinden uns hier in einer neuen Situation.

Ich möchte keinesfalls das duale Bildungssystem schwächen; auch ich finde es sehr wichtig. Politisch müssen wir dann aber auch schauen, welches Verhältnis von Maturitäts- und Lehrabgängern wir haben möchten und wie wir das duale Bildungssystem positionieren wollen. Das ist für mich viel entscheidender, als hier eine Verpflichtung einzuführen, sodass Betriebe sich auch dann nicht mehr bewerben können, wenn sie sich bemüht haben, Lehrlingen einen Platz zu bieten.

Ich glaube, wir kommen wirklich zu spät. Aufgrund der demografischen Veränderungen werden wir andere Herausforderungen haben. Wir haben nicht mehr die Situation, dass es schwierig ist, für einen Lehrling eine Lehrstelle zu finden, sondern es wird für KMU schwieriger, überhaupt Lehrlinge zu finden.

Deshalb bin ich auch für Nichteintreten.