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Wasserfallen Christian · Nationalrat · 2014-06-03

Wasserfallen Christian · Nationalrat · Bern · FDP-Liberale Fraktion · 2014-06-03

Wortprotokoll

Die Präimplantationsdiagnostik ist alles andere als eine Glaubensfrage. Es stellt sich vielmehr die Frage, wie eine mündige und aufgeklärte Gesellschaft damit umgeht. Wichtig bei diesem ganzen Konstrukt der Präimplantationsdiagnostik ist, dass das Paar - das Paar! - entscheiden kann, und das nach hinreichender Aufklärung durch medizinisch geschultes Personal, namentlich durch Ärztinnen und Ärzte. All jenen, die sich von der Präimplantationsdiagnostik versprechen, es bestünden damit Garantien, dass man ein gesundes Kind auf die Welt bringe, sei gesagt, dass es nur etwa bei 3 Prozent der imprägnierten Eizellen zu einer Geburt kommt. Alles andere bestimmt die Natur, und das ist auch gut so; darauf haben wir auch keinen Einfluss zu nehmen.

Es ist ganz klar definiert, was mit der Präimplantationsdiagnostik erlaubt ist und was nicht. Deshalb braucht es eine Verfassungsänderung. Die Verfassungsänderung erlaubt es, dass man die Präimplantationsdiagnostik als Behandlungsmethode überhaupt anwenden kann. Wir sagen mit der Fassung der Mehrheit, dass man Chromosomen-Screenings durchführen kann. Wir sagen mit der Fassung der Mehrheit, dass man Retterbabys erlauben soll. Wir sagen mit der Fassung der Mehrheit auch, dass man die Konservierung von noch nicht gebrauchten Embryonen erlauben soll. Das ist alles darin enthalten, und das ist alles erlaubt. Alles andere, wie zum Beispiel die Auswahl des Geschlechts, ist damit nicht erlaubt.

Es geht bei dieser Vorlage letztlich auch darum, dass wir eine absurde Situation haben. Heutzutage besteht hinsichtlich Präimplantationsdiagnostik die absurde Situation, dass ein bald lebensfähiger Embryo im Mutterleib weniger gut geschützt ist als ein wenige Zellen umfassender Organismus. Denn wir haben die Präimplantationsdiagnostik im Rahmen der In-vitro-Fertilisation, bei der es um einen Vier- oder Achtzeller geht; dieser ist heutzutage besser geschützt als ein bald lebensfähiger Embryo im Mutterleib. Das ist heute die Situation, die wir haben. Genau da müssen wir doch als Gesetzgeber auch mit uns selber kritisch sein und die Präimplantationsdiagnostik auch zulassen.

Auf den Punkt gebracht lautet die Frage, ob man generell vor der Geburt Einfluss nehmen will - ja oder nein? Und diese Frage ist heute beantwortet. Man tut es, ja, indem man die Pränataldiagnostik zugelassen hat. Es ist nicht mehr so, dass dies alles während der Entstehung des Lebens nicht zugänglich ist. Die Frage ist, ob man eine mit klaren Grenzen versehene Präimplantationsdiagnostik dazunehmen will - ja oder nein?

Es ist dann auch so, dass diejenigen Paare, die sich gerne einer solchen Behandlung unterziehen möchten, heute in der Schweiz keine Möglichkeit haben, das zu tun. Ausgerechnet in einem so heiklen, so sensitiven Bereich sagen Sie den Schweizer Paaren: "Geht ins Ausland, wenn ihr Präimplantationsdiagnostik haben wollt." Ich denke hingegen, wenn wir schon das beste medizinische Personal haben - einige von Ihnen sind ja in der Medizin tätig -, sollten wir dies nutzen, damit unsere Schweizer Paare mit der bestmöglichen Qualität behandelt werden können, wenn es um die Präimplantationsdiagnostik geht. Heutzutage stellt sich nicht einmal die Frage, ob die Paare sich einer solchen Behandlung mit Präimplantationsdiagnostik unterziehen wollen oder nicht. Denn sie ist schlicht verboten. Genau diese Wahlmöglichkeit soll heute den Paaren ermöglicht werden. Deshalb ist die FDP-Liberale Fraktion dafür, auf den Verfassungsartikel einerseits und auf das Gesetz andererseits einzutreten. Ich sage es noch einmal: Es ist keine Frage des Glaubens an die Präimplantationsdiagnostik, sondern die Frage lautet, wie unsere mündige und aufgeklärte Gesellschaft damit umgeht. Wollen wir den Paaren die Wahl belassen? Die Paare entscheiden dann innerhalb klar definierter Regeln, ob sie eine Präimplantationsdiagnostik durchführen lassen.

Ich bitte Sie deshalb im Sinne einer guten medizinischen Versorgung und Qualität im Bereich der Präimplantationsdiagnostik, auf die Vorlagen einzutreten und der Mehrheit zu folgen. [PAGE 818]