Lexipedia

Hess Bernhard · Nationalrat · 2001-11-16

Hess Bernhard · Nationalrat · Bern · Fraktionslos · 2001-11-16

Wortprotokoll

Wir reden und entscheiden hier über die Zukunft der nationalen Fluggesellschaft und damit auch über die Zukunft des Wirtschaftsplatzes und Tourismusstandortes Schweiz.

Wenn wir der neuen Fluggesellschaft die Zukunft verbauen, verbauen wir damit auch die Zukunft von bis zu 35 000 Angestellten im direkten und verwandten Umfeld der Swissair. Die Folgen der daraus resultierenden Langzeitarbeitslosigkeit müssten ebenfalls finanziert werden und würden in der heutigen, wirtschaftlich schwierigen Situation bald mit Hunderten von Millionen Franken zu Buche schlagen. Bei Eintritt dieses Szenarios würden die Direktbetroffenen ohne Zukunftsperspektiven im Regen stehen gelassen. Das kann ja wohl nicht die Lösung sein.

Der Verlust unserer nationalen Fluggesellschaft hätte aber noch viel weitreichendere Folgen. Durch die Aufgabe von Direktverbindungen mit den wichtigsten Metropolen der Welt würde die Schweiz zu einer zweitrangigen Randregion deklassiert. Sowohl der Sektor Tourismus und Gastgewerbe als auch der Wirtschaftsstandort Schweiz allgemein müssten weitere massive Einbussen hinnehmen. Das kann niemand, der im Interesse unseres Landes handelt und entscheidet, leichtfertig hinnehmen.

Wenn wir vernünftigerweise Ja zur Swissair sagen, dann werden wir nicht darum herumkommen, die Fehler der Vergangenheit zu analysieren und dort, wo die Verantwortlichen aus Fahrlässigkeit und Inkompetenz das Desaster herbeigeführt haben, den eisernen Besen wirken zu lassen. Die Eintrittskarte in den Verwaltungsrat und in die Swissair-Führungsspitze soll zukünftig nicht mehr leichtfertig vergeben werden. Nicht mehr Vetternwirtschaft, das blaue Parteibuch und der richtige Logenplatz, sondern Kompetenz und Erfahrung müssen wieder vorrangig sein. In Zukunft brauchen wir an der Spitze der nationalen Fluggesellschaft keine vaterlandslosen Gesellen, die mit uns Katz und Maus spielen, sondern verantwortungsvolle, heimattreue Führungskräfte, die mit Hirn und Herz ihre, unsere Sache vertreten. Die Verantwortlichen der Misere sind verpflichtet, die Konsequenzen zu tragen. Das gilt auch für jene Swissair-Verwaltungsratsmitglieder, die hier in diesem Hause sitzen und sich ernsthaft bemühen, ihre komplexen Mehrfachmandate mehr recht als schlecht auszuüben. In ihren Bemühungen sind sie jedoch kläglich gescheitert.

Für sie wäre es nun an der Zeit, die Rechnung zu bezahlen und in Würde abzutreten. Sollten sie jedoch vorhaben, weiterhin krampfhaft an ihren Sesseln zu kleben, dann wäre auch die völlige Rehabilitation der Herren Werner K. Rey, Krüger, Bellasi und Co. überfällig.

Die Swissair-Krise weist uns den Weg in eine neue Zukunft. Es ist eine Herausforderung, die von uns Mut und Zuversicht verlangt und den Direktbetroffenen neue Perspektiven öffnet. Packen wir es an. Gemeinsam werden wir dafür sorgen, dass unsere nationale Fluglinie auch nachfolgenden Generationen erhalten bleibt und uns in eigenständiger, unabhängiger Art und Weise mit der Welt verbindet.