Grossen Jürg · Nationalrat · 2014-09-16
Grossen Jürg · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2014-09-16
Wortprotokoll
Unsere Volkswirtschaft verliert heute zu viel Zeit, zu viel Energie und zu viel Geld mit unnötiger Mobilität. Mit meiner vorliegenden Motion möchte ich den Bundesrat beauftragen, den Anteil an Home-Office-Arbeit in der Bundesverwaltung innert fünf Jahren auf mindestens 20 Prozent zu erhöhen, also auf durchschnittlich einen Tag pro Woche. Es ist klar, dass das für einige Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeuten würde, zwei oder gar drei Tage pro Woche von zu Hause aus zu arbeiten, da sich bekanntlich nicht alle Arbeiten als Home-Office-Arbeit oder Telearbeit erledigen lassen. Ich bin jedoch der festen Überzeugung, dass gerade in der Bundesverwaltung ein beträchtlicher Teil der Arbeit auch qualitativ einwandfrei geleistet werden kann, ohne dass physische Präsenz am Büroarbeitsplatz im zentral gelegenen Verwaltungsgebäude erforderlich ist.
Selbstverständlich ist meine Forderung auch als Aufruf an die Privatwirtschaft, die zahlreichen bundesnahen Unternehmen sowie an die kantonalen Verwaltungen zu verstehen, von diesen Arbeitsformen mehr Gebrauch zu machen. Es ist mir als Unternehmer, der die Vor- und Nachteile dieser Art zu arbeiten bestens kennt, als Vertreter einer ländlichen Region mit zunehmender Abwanderung und erhöhtem Pendleraufkommen und nicht zuletzt als Mitglied der Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen ein zentrales Anliegen, das Möglichste zu tun, um die heutigen technischen Möglichkeiten optimal zu nutzen, unsere Regionen zu stärken und insbesondere unsere Verkehrsinfrastrukturen zu entlasten. Mit einem hohen Anteil an Home-Office-Arbeit kann das alles erreicht werden.
Der Bund als Ersteller der Verkehrsinfrastrukturen für Strasse und Schiene muss doch ein erhebliches Interesse daran [PAGE 1550] haben, diese Infrastrukturen nicht auch noch selbst zur Unzeit, sprich zur Spitzenzeit, unnötig zu belasten. Ich möchte bei dieser Gelegenheit an die zahlreichen beschlossenen und in nächster Zeit zu diskutierenden milliardenschweren Finanzprojekte wie Fabi bei der Bahn oder die Engpassbeseitigung, die Agglomerationsprogramme und den NAF bei der Strasse erinnern. Diese Projektpakete werden allesamt und schwerwiegend mit den wachsenden Pendlerströmen begründet. Der Bundesrat will den Engpässen während der Spitzenzeiten mit starkem Infrastrukturausbau, also vor allem mit Teer und Beton, begegnen, ohne dass Alternativen wie Mobility-Pricing, intelligente Verkehrssysteme oder eben Home-Office-Arbeit mit der nötigen Konsequenz vorangetrieben werden; das bedaure ich sehr.
Aber auch aus sozial- und insbesondere aus familienpolitischer Sicht wäre es positiv zu werten, wenn Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weniger Zeit auf dem Arbeitsweg verbringen müssten und ihre Arbeitszeit flexibler einteilen könnten. Zufriedenere und produktivere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, reduzierter Immobilien- und Flächenbedarf, flexiblere Arbeitsformen und ideale Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben können durch Home-Office erreicht werden.
Aus all diesen Gründen ist diese Arbeitsform gezielt zu fördern. Ich freue mich deshalb sehr, dass der Bundesrat auf meinen Wunsch eingeht und dass er mit seiner Verwaltung eine Vorreiterrolle bei der Anwendung von Home-Office und Telearbeit einnehmen will.
Der Bundesrat erachtet die Festsetzung einer reinen Quote zur Erhöhung des Anteils an Home-Office-Arbeit als nicht zielführend, was ich nachvollziehen und akzeptieren kann. Ich danke aber dem Bundesrat herzlich, dass er Ernst macht und als Folge mein Postulat 13.3358, "Schaffung von Anreizen zur Förderung von Home-Office und Telearbeit in der Bundesverwaltung", zur Annahme empfohlen hat. Unser Rat ist ihm am 27. September 2013 mit deutlichem Mehr gefolgt. Mit diesem Postulat soll eine niederschwelligere Strategie zur Förderung von Telearbeit und Home-Office bei Bundesstellen umgesetzt werden - ich bin gespannt darauf!
Aus diesen Gründen bin ich gerne bereit, meine vorliegende Motion 12.4120 zurückzuziehen.