Gutzwiller Felix · Ständerat · 2014-12-02
Gutzwiller Felix · Ständerat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2014-12-02
Wortprotokoll
Ich habe ja schon das letzte Mal zu diesem Thema als Nichtkommissionsmitglied das Wort ergriffen und habe dort vor allem am Beispiel meines eigenen Internethandels argumentiert. Ich will Sie damit heute verschonen. Ich habe mich aber seither noch mehr mit dem Problem beschäftigt, und diese zusätzliche Beschäftigung damit hat dazu geführt, dass ich hier noch sicherer bin als letztes Mal, dass Sie hier die Minderheit unterstützen sollten und dass es ein Unsinn ist, hier weiter regulieren zu wollen.
1. Wenn Sie das je überhaupt schon gemacht haben - ich empfehle Ihnen dringend, einmal entsprechend einzukaufen -, dann sehen Sie, dass die meisten Online-Anbieter Ihnen heute die Wahl geben bzw. selber ein Rückgaberecht definiert haben. Sie können also einen Anbieter wählen, der Ihnen ein solches Rückgaberecht einräumt.
2. Wenn Sie online bestellen, werden Sie ja nicht am Telefon überfallen oder an der Haustüre - das gibt es ja gar nicht mehr. Sie gehen vielmehr selber bewusst an einem schönen Nachmittag oder Abend an den Computer und wählen sich in Ihre Lieblingsgeschäfte oder was auch immer ein und bestellen.
3. Lieber Kollege Comte, ich weiss nicht, ob Sie das je gemacht haben, aber es ist nicht wahr, dass Sie das Produkt nicht sehen können. Sie können es im Detail sehen, Sie können es auf den meisten Webseiten heute drehen und von allen Seiten ansehen, Sie können die Grössen verstellen, Sie können damit spielen, Sie können sich intensiv damit beschäftigen.
4. Die Online-Händler machen das ja, weil sie einen besseren Preis haben. Und diese Preisdifferenzen - da komme ich jetzt nicht zu meinem Verhalten, sondern zum allgemeinen Konsumverhalten - erodieren. In den Bereichen, die heute überhaupt Rückgaberecht haben, wie Textilien usw. - Herr Kollege Minder hat ja alle aufgezählt, die nicht dazugehören -, machen die meisten Online-Händler heute gar keine Gewinne, und zwar weil das Konsum- und Konsumentenverhalten derart anders geworden ist und sich rasant verändert hat, wie Herr Janiak zu Recht sagt. Heute passiert das Umgekehrte. Bei Zalando, einem der grössten Online-Händler - und ich bin nirgendwo beteiligt -, kommen nach neuen Studien im Schnitt 50 Prozent der bestellten Ware zurück. Es gibt im Netz - schauen Sie sich mal um - sogenannte Zalando-Partys. Da machen sich die Leute den Spass, für eine Nacht schicke Kleider anzuziehen und das als Zalando-Party ins Netz zu stellen. Selbstverständlich gehen die Kleider am nächsten Tag zurück. 50 Prozent kommen retour, Sie müssen sich das einmal vorstellen!
Nun zur EU: Selbstverständlich ist das ein Argument, Herr Levrat, aber nicht jeden kleinen Unsinn, den die EU einführt, müssen wir unbedingt nachmachen, sondern wir können hier auf die Selbstständigkeit der Konsumenten zählen. Es kommt dazu, das wissen Sie vielleicht gar nicht, dass die neuesten Studien zeigen, dass schon heute die wichtigste Gruppe der ausländischen Einkäufer auf Schweizer Online-Handelsplattformen mit 43 Prozent die Chinesen sind. Es sind nicht die EU-Bürger. Das heisst, da kommt im Internethandel noch ein ganz anderes Gebiet dazu.
Mit dieser Gesetzgebung hinken wir einer Entwicklung hinterher, die eine unglaubliche Dynamik entwickelt hat. Es ist eine Gesetzgebung, die auf keine Art und Weise das Konsumverhalten der Leute, das sich in kurzer Zeit massiv geändert hat, einbezieht. Ich sage es noch einmal: 50 Prozent Retouren; praktisch kein Online-Handel hat eine positive Marge, auch der schweizerische nicht. Die meisten schreiben rote Zahlen in diesem Geschäft. Das verschlechtern Sie weiter, indem Sie solche Auflagen machen, die entsprechendes Verhalten begünstigen.
Ich glaube, wir können diese Welt sich entwickeln lassen, ohne dass wir überregulieren. Es gibt keinen triftigen Grund, diese Bestimmung zum Telefonverkauf hier aufs Internet auszuweiten. Ich bitte Sie, der Minderheit zuzustimmen.