AB 168205
Schneider-Ammann Johann N. · Bundesrat · Bern · 2014-09-17
Wortprotokoll
Die Erhebungen im Rahmen des Lehrstellenbarometers zeigen, dass es eine Tendenz gibt, sich früher zu bewerben. Im Sommer 2014 haben 32 Prozent der befragten jungen Leute gesagt, sie hätten ihren Lehrvertrag schon im Frühsommer 2013 unterzeichnet. Andererseits lag der Anteil der von den Unternehmen vergebenen Lehrstellen im April 2014 mit 71 Prozent unter der Zahl, die ein Jahr früher gegolten hatte.
Herr Nationalrat Jositsch, Sie haben es gesagt, die Lehrverträge sind im Obligationenrecht geregelt. Es ist also eine privatrechtliche Angelegenheit. Der Zeitpunkt ist so gesehen behördlich nicht steuerbar und auch nicht unbedingt überprüfbar. Mit der Genehmigung der Lehrverträge sind vor allem einmal mehr die Kantone angesprochen.
Der Bundesrat befürchtet, dass es über staatliche Regulierungen im Sinne des Postulates zu weiteren administrativen Hürden kommen könnte. Solche wollen wir ja insgesamt nicht. Wir wollen nicht, dass die Zulassung zum Lehrbetrieb schwieriger wird. Das kann nicht die Idee sein. Ich weiss, dass das auch sicherlich nicht Ihre Idee ist.
Der Bundesrat geht mit Ihnen einig, dass der Berufswahl- und der Selektionsprozess einer soliden Vorbereitung bedürfen, und dies sowohl seitens der Jugendlichen wie auch seitens der Betriebe. Der Bundesrat begrüsst die Initiativen von Wirtschaft und Kantonen. Beide sind nämlich bemüht, den [PAGE 1566] Berufswahlprozess zu optimieren. Sie haben die Fairplay-Abkommen erwähnt. Ich setze auf diese Abkommen.
Sie haben weiter gesagt, dass die Schulung und die Information der Lehrbetriebe über die Nachteile eines zu frühen Lehrabschlusses eine Stossrichtung sein müssten. Auch das wird mitgetragen.
Dann muss es auch darum gehen, dass wir Fahrpläne für Jugendliche etablieren, die den Prozess inhaltlich und zeitlich darstellen und die auf der Zeitachse die inhaltlichen Vor- und Nachteile beschreiben. Es geht also um Standortbestimmungen für jeden einzelnen Jugendlichen.
Ich kann Ihrer Stossrichtung sehr wohl etwas abgewinnen. Ich habe aber allergrösste Befürchtungen, dass wir damit zu bürokratisch würden. Ich möchte insbesondere der Wirtschaft und den Kantonen die entsprechende Chance belassen. Das Problem ist erkannt: Wir müssen ihm auf der Basis der Freiwilligkeit, der Fairplay-Abkommen die nötige Beachtung schenken.
In diesem Sinne bitte ich Sie, das Postulat abzulehnen.