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Jositsch Daniel · Nationalrat · 2014-09-17

Jositsch Daniel · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2014-09-17

Wortprotokoll

Ich gebe Ihnen gerne meine Interessenbindung bekannt: Ich bin Präsident des Kaufmännischen Verbandes Schweiz und vertrete damit den Verband, der für jene Berufsausbildung verantwortlich zeichnet, die immer noch am meisten Jugendliche in der Schweiz wählen.

In meinem Postulat geht es um Lehrstellen. Die Lehrstelle stellt für die meisten Jugendlichen in der Schweiz den Einstieg in das Berufsleben dar. Natürlich ist es nicht mehr so, dass alle Jugendlichen, die eine Berufslehre machen, dann auch lebenslang im entsprechenden Beruf tätig sind. Nichtsdestotrotz ist die Wahl einer Berufslehre eine wichtige Weichenstellung und eine wichtige Entscheidung, die Jugendliche treffen.

Die Jugendlichen, die eine Berufslehre beginnen, sind in der Regel etwa sechzehn Jahre alt. Sie sind also sehr jung, sie müssen sehr früh in ihrem Leben entscheiden, welche Berufsausbildung sie in Angriff nehmen wollen. Es ist unbestritten, dass dazu ein gewisser Reifungsprozess notwendig ist, und es ist unbestritten und damit auch klar, dass diese Entscheidung möglichst zeitnah zum Beginn der Lehre stattfinden sollte. Es ist also zweckmässig, dass der Reifungsprozess möglichst fortgeschritten ist und Jugendliche sich erst kurz vor Beginn einer Lehre definitiv entscheiden müssen, welche Lehre sie beginnen wollen. Die Tendenz hingegen geht in eine andere Richtung. Die Arbeitgeber versuchen möglichst rasch und möglichst früh die besten Schülerinnen und Schüler abzuwerben und zu verpflichten. Es findet ein eigentlicher Wettbewerb statt, die Lehrstellen möglichst früh zu besetzen. Das ist eine Tendenz, die nicht sehr sinnvoll ist, eine Tendenz, die auch dazu führt, dass sehr viele Lehren abgebrochen werden müssen, weil Jugendliche merken, dass sie sich zu früh für eine Lehrstelle entschieden haben, die nicht ihren Neigungen und/oder ihren Fähigkeiten entspricht.

Entsprechend gab es Kantone, bei denen ein sogenanntes Fairplay-Abkommen abgeschlossen wurde, mit welchem sich die Arbeitgeber verpflichteten, erst sechs Monate vor Lehrbeginn oder vor Ende der Schulzeit Vertragsabschlüsse mit Jugendlichen zu machen. Diese Fairplay-Abkommen sind unbestrittenermassen sehr sinnvoll. Auch der Bundesrat hat verschiedentlich gesagt, dass er sie begrüsse und dies eigentlich der richtige Weg sei. Nun werden aber solche Fairplay-Abkommen sehr häufig und immer häufiger unterlaufen. Es ist klar: Sie haben keine Verbindlichkeit, sie sind freiwillig, sie beruhen auf Fairplay, und es besteht hier natürlich eine gewisse Tendenz, sie zu unterlaufen. Und wenn einer einmal damit begonnen hat, folgen die anderen natürlich nach. Deshalb haben diese Abkommen zunehmend erodiert, was schade ist.

Mit meinem Postulat schlage ich nun vor, dass der Bundesrat einmal evaluiert, welche Möglichkeiten es gäbe, um ein solches Fairplay-Abkommen durchzusetzen, das heisst, in der Schweiz ein Abkommen zu implementieren, das die Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Lehrverträge nicht mehr als sechs Monate vor dem Beginn der Berufslehre abzuschliessen. Es wäre sehr sinnvoll, wenn man das evaluieren und somit schauen könnte, welche Möglichkeiten es gibt, ein System durchzusetzen, das auch der Bundesrat als zweckmässig erachtet.

Der Bundesrat macht geltend, es sei schwierig, das zu evaluieren, respektive es sei nicht machbar, da damit in die Freiheit der Unternehmen eingegriffen werde. Das ist richtig, die Argumente des Bundesrates sind sicher richtig. Ich glaube aber, dass die Jugendlichen, die eine Lehre ergreifen, auch eines gewissen Schutzes bedürfen. Es ist doch sinnvoll, immerhin einmal zu evaluieren, welche Möglichkeiten bestehen würden, um einem solchen durchaus zweckmässigen Ablauf zum Durchbruch zu verhelfen.

Deshalb ersuche ich Sie, das Postulat anzunehmen.