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Fässler Hildegard · Nationalrat · 2001-12-04

Fässler Hildegard · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-12-04

Wortprotokoll

Mit meinem Minderheitsantrag beantrage ich Ihnen, für die Filmförderung im nächsten Jahr 30 Millionen Franken auszugeben. Filme sind Botschafter für ihr Land; Schweizer Filme sind Botschafter für die Schweiz. Das geschieht einmal durch die Filme selbst, auf der anderen Seite auch durch die Filmemacherinnen und Filmemacher. Wir sind ja sehr gerne stolz auf erfolgreiche Regisseure, auf erfolgreiche Regisseurinnen, vor allem, wenn sie auch im Ausland erfolgreich sind.

Film ist auch Big Business. Film ist in zweierlei Hinsicht ein Wirtschaftsfaktor: Es gibt zum einen den ganzen Filmmarkt. Was aber für uns in der Schweiz als sehr kopflastiges und weniger bodenschatzreiches Land viel wichtiger ist, ist das technische Know-how, das auch dahintersteckt. Es braucht sehr viel Können in allen möglichen Branchen, um einen Film herzustellen.

Ein weiterer Punkt: Betrachten wir diese 30 Millionen Franken, und vergleichen wir mit dem Ausland: Sicher haben die Filminteressierten unter Ihnen in der letzten Zeit Filme aus Dänemark bewundert, ganz ausserordentlich gute Filme. Diese sind unter anderem auch dadurch zustande gekommen, dass Dänemark eben viel mehr Geld in die Filmindustrie und in die eigene Filmproduktion einsetzt und investiert; es sind 60 bis 70 Millionen Franken pro Jahr.

Mit der Erweiterung des Kredites, wie ich sie vorschlage, können drei Ziele besser erreicht werden:

1. Wir können das Projekt "succès cinéma", das eigentlich mehrheitlich durch private Gelder finanziert wird, weiterführen. Das ist vor allem der Punkt der erfolgsabhängigen Filmförderung. Hier können wir ein Mehreres tun.

2. Wir können die schweizerische Filmproduktion verstärken. Erfolg braucht ein bestimmtes Volumen; das wissen die Unternehmer und Unternehmerinnen hier im Saal sehr gut. Man braucht einfach eine gewisse Grösse, um wirklich erfolgreich zu sein. Erfolg braucht ein gewisses Volumen; das könnten wir hier erreichen.

3. Sicher auch regionalpolitisch sehr wichtig ist die Förderung der schweizerischen Filmfestivals, die in allen Regionen der Schweiz angesiedelt sind. Wir können damit eine Regionenförderung machen, wie wir sie auf andere Weise, z. B. bei industriellen Unternehmen, über den Bonny-Beschluss machen, insbesondere im Bereich des Tourismus. Dort, wo ein Filmfestival durchgeführt wird, sind die Hotels voll. Wir haben hier besser investiert, als wenn wir weiter Hotelkredite erhöhen müssen.

Ein wichtiger Punkt ist auch der nationale Zusammenhalt. Es gibt viele Menschen in unserem Land, die z. B. ans Filmfestival ins Tessin reisen; umgekehrt kommen Tessiner in die Westschweiz usw. Dies dient doch auch dem nationalen Zusammenhalt.

Dem Filmgesetz können wir mit dieser Finanzspritze zum Durchbruch verhelfen. Auch wenn Sie eventuell, wie ich, nur über ein nicht mehr allzu gutes Gedächtnis verfügen, erinnern Sie sich doch sicher an die Diskussion in der letzten Woche über das Filmgesetz. Es gilt nun, diesem Gesetz [PAGE 1684] nicht nur Zähne zu geben, sondern auch Finanzen, damit es überhaupt zum Durchbruch kommt. 40 Millionen Franken würden die Umsetzung des ganzen Projektes natürlich noch besser ermöglichen; die 30 Millionen Franken gemäss meinem Minderheitsantrag sind ein gerade noch tragbarer Kompromiss.