Widmer Hans · Nationalrat · 2001-12-04
Widmer Hans · Nationalrat · Luzern · Sozialdemokratische Fraktion · 2001-12-04
Wortprotokoll
Mit meinem Antrag verlange ich eine kumulative Erhöhung des Rahmenkredites für die Grundbeiträge an die kantonalen Universitäten: ab 2002.
Die Universitäten befinden sich in einer eigentlichen, und zwar sehr ungemütlichen Stresssituation. Einerseits verlangt man von ihnen mehr oder weniger tief greifende Reformen. Ich denke etwa an die Umsetzung der Bologna-Deklaration, welche, gemäss der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, in der nächsten Phase 70 Millionen Franken pro Jahr verschlingen wird. Ich denke aber auch an die Mehrleistungen, welche diese Institutionen in den letzten Jahren bereits haben erbringen müssen: zehn Prozent mehr Studierende und nahezu zwanzig Prozent mehr Abschlüsse. Andererseits stand bei der Bewältigung dieser Aufgabe real ein Prozent weniger Finanzmittel zur Verfügung.
Nach einer solchen Par-Force-Leistung bleibt kaum mehr etwas an Reserven, die Zitrone ist ausgepresst. Sie müssen herumhören, an die gestrigen Äusserungen der Studentenschaft von Bern denken: Wie heute in der Presse bekannt geworden ist, beginnt sich selbst die Studentenschaft Sorgen zu machen. Wir wollen nicht, dass über eine Defizitpolitik in diesem wichtigen Bereich des tertiären Sektors Ungutes passiert.
Gleichzeitig müssen diese Institutionen überall den Ruf nach besseren Betreuungsverhältnissen hören, nach der Einführung neuer Lerntechnologien, nach einer Berufungspolitik, die nur die Besten holen soll. All das ist selbstverständlich nicht gratis zu haben.
Die Rektorenkonferenz schätzt allein für die Erneuerungen im Bereich der Lehre 750 Millionen Franken Zusatzkosten, die sie nicht gedeckt sieht. Unter solchen Voraussetzungen kann natürlich kaum mehr eine seriöse Bildungspolitik auf dieser wichtigen Ebene gemacht werden.
Wie Sie hoffentlich sehen, geht es nicht einfach um ein Gejammer von Bildungspolitikern, sondern als Politiker mit Gesamtverantwortung haben wir den Auftrag, auf diese wahrhaft dramatische Situation hinzuweisen. Wenn wir diesen Bereich mit einer alten Baute vergleichen - einer Baute, die aber im Laufe der Zeit immer wieder erweitert und renoviert worden ist, von Bund und Kantonen; einem Gebäudekomplex, in dem bis anhin qualitativ hoch stehende Lehr- und Forschungsarbeit geleistet worden ist -, so können wir sagen: Es ist Feuer im Dach. Es ist Feuer im Dach der Lehre, und kleine Schwelbrände lodern überall in den tiefen Kellern der Grundlagenforschung vor sich hin. Niemand will es merken. Die Leute an der Linie, nämlich die Rektoren, schlagen zwar Alarm, der Schweizerische Wissenschafts- und Technologierat appelliert in einem Manifest für den Denkplatz Schweiz mit eindrücklichen Worten an die Behörden.
Zu schnell können unsere Universitätsbauten integral an Wert verlieren, nämlich dann, wenn wir den Brand im Dach der Lehre nicht massiv bekämpfen und bereits aufgetretene Schäden nicht sofort reparieren, und auch dann, wenn wir uns nicht um die Schwelbrände in den Kellergeschossen der Grundlagenforschung kümmern.
Fällen wir einen raschen und mutigen Entscheid! Stimmen wir dem Antrag zu, dann machen wir längerfristig nämlich keine Ausgaben, sondern wir tätigen eine Investition in eines der bedeutendsten Häuser auf dem Denkplatz Schweiz - ein Haus übrigens, in dem immer wieder goldene Eier gelegt werden.