Keller Robert · Nationalrat · 2001-12-12
Keller Robert · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2001-12-12
Wortprotokoll
Als Unternehmer und Lehrmeister habe ich zu diesem Thema auch etwas zu sagen. Denn ich habe als Unternehmer und langjähriger Präsident eines Berufsverbandes Hunderte von Lehrlingen ausgebildet. Auch in der Krise, lieber Kollege Widmer, haben wir das gemacht. Die Resultate waren gut bis sehr gut. Fast alle ehemaligen Lehrlinge sind mit Freude immer noch in ihrem Beruf tätig. Fast alle Kader unserer Firmen wurden aus Lehrlingen rekrutiert. Die Weiterbildung wurde also im Baumeisterverband sehr gefördert. Auch die Berufsleute bewähren sich in Beruf, Familie und Staat. Unser duales System hat sich also bewährt, Stichworte sind: praktisch keine Jugendarbeitslosigkeit, tiefe Arbeitslosenquote in der Rezession. An den Berufsweltmeisterschaften, bei welchen sich die Elite der jungen Leute trifft, haben die Vertreter unserer Berufe jeweils Medaillen in verschiedenen Farben - Gold, Silber usw. - und auch manche Diplome erreicht.
Ein neuer Meilenstein ist nun das Berufsbildungsgesetz, das nach oben offen ist: Meisterlehre, Fachhochschule, Unternehmer oder leitender Angestellter. Mit dem Berufsbildungsfonds, der nun gemäss Artikel 61 des Berufsbildungsgesetzes für die Branchen möglich ist, können ja auch die Trittbrettfahrer, und das sind immerhin zwei Drittel aller Unternehmen, erfasst werden.
Warum lehne ich die Lipa-Initiative mit Überzeugung ab? Die Verwaltung ist zu aufwendig. Nicht alle Branchen kann man in den gleichen Topf werfen. Die Sozialpartner sollten nicht noch mehr Mitspracherechte erhalten - die Verantwortung liegt beim Lehrmeister. Praxisbezogene Ausbildung hat sich bewährt und muss hochgehalten werden. Bund und Kantone können nicht noch mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Den Staat müssen wir entlasten und ihm nicht noch mehr anhängen.
Was ist zu tun? Die Volksschule sollte uns mit ausbildungsfähigne Schülern versorgen. Die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft müssen verbessert und nicht ständig verschlechtert werden. Wir müssen die Unternehmen unterstützen und nicht belasten. Bei der Vergabe von Arbeiten sollte nicht nur der Preis im Vordergrund stehen, sondern nebst Qualität, Termin, Ökologie usw. auch die Arbeits- und Ausbildungsplätze, die ein Unternehmer zur Verfügung stellt.
Dieser Punkt sollte auch nicht erst an der vierten Stelle nach dem Komma berücksichtigt werden. In die Berufsbildung sollten wir nicht zu viel einpacken - das zu den Ausführungsbestimmungen, Herr Kommissionspräsident. Denn es gibt auch schwächer Begabte, und diese sollten nicht noch mit einer zweiten Landessprache belastet werden.
Ich glaube, dass diese Volksinitiative gut gemeint ist - das wurde häufig gesagt -, aber es ist der falsche Ansatz. Ich möchte trotzdem für die fairen Worte der Initianten, insbesondere diejenigen von Herrn Strahm, danken und auch dafür, dass sie am dualen System festhalten.
Ich bitte Sie, die Volksinitiative zur Ablehnung zu empfehlen.