Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · 2014-03-05
Schmid-Federer Barbara · Nationalrat · Zürich · Fraktion CVP-EVP · 2014-03-05
Wortprotokoll
Als ich im Jahr 2008 zum ersten Mal das Cybermobbing in diesem Rat thematisierte, wusste kaum jemand in diesem Saal, was damit gemeint ist. Inzwischen ist das Problem nicht nur in der Öffentlichkeit ein Thema, sondern ist auch in der Politik angekommen. Cybermobbing heisst, dass jemand beleidigt, gehänselt, bedroht oder lächerlich gemacht wird, indem zum Beispiel intime oder peinliche Fotos oder Videoclips in sozialen Netzwerken, über Video-Plattformen oder Chatrooms verbreitet werden.
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen Cybermobbing und Mobbing auf dem Pausenplatz. Beides ist schlimm. Aber was im Internet ist, ist für Hunderttausende User einsehbar, und es kann nicht mehr gelöscht werden. Besonders unangenehm ist, dass auch die besten Freunde oder sogar Lehrer, Eltern oder Arbeitgeber mitbekommen, dass sich Hassgruppen gegenüber Jugendlichen gebildet haben oder gefakte Nacktfotos in Chatrooms oder in sozialen Netzwerken wie Facebook usw. kursieren. Zudem wissen die Opfer oft nicht, wer dahintersteckt. Es könnte auch eine angeblich gute Freundin mitmachen. Das heisst, dass durch Cybermobbing oft auch das Vertrauen in Freundschaften schwindet. So können die Folgen von Cybermobbing noch viel gravierender sein als die von herkömmlichem Mobbing.
Die vorliegende Motion, welche 2012 eingereicht wurde, verlangt eine nationale Strategie gegen Cybermobbing, eine national koordinierte Bekämpfung von Cybermobbing, eine zentrale Anlaufstelle für Opfer und deren Eltern und eine breitangelegte Aufklärungskampagne über die Gefahren des Cybermobbings.
Der Bundesrat äusserte sich in seiner Antwort vor einem Jahr negativ und verwies auf die beiden nationalen Programme "Jugend und Gewalt" sowie "Jugend und Medien". Die Anstrengungen des Bundes sind mir selbstverständlich bekannt, und sie sind sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings sind wir weit von dem angestrebten Ziel entfernt. Auch ein Jahr nach der Antwort des Bundesrates sage ich weiterhin: Die Anstrengungen zur Bekämpfung von Cybermobbing und Cyberbullying sind trotz allem Geld, das bereits aufgewendet wird, schlicht zu unbekannt und zu isoliert und hinken der Realität hinterher. Was es braucht, ist eine kraftvolle Offensive. Besonders wichtig wäre eine nationale zentrale Anlaufstelle, welche sämtlichen Betroffenen dieses Landes bekannt ist. Ich wage zu behaupten, dass wir nicht endlose Abklärungen und Tagungen, sondern eine zentrale, bekannte und vertrauenerweckende Hilfestelle brauchen. Letzteres ist vermutlich das Wichtigste, denn Cybermobbing-Opfer sind nachhaltig eingeschüchtert.
Es ist mir wichtig, dass der Druck auf den Bundesrat in dieser Sache erhöht wird, weshalb ich Sie bitte, meiner Motion zuzustimmen.