Gutzwiller Felix · Ständerat · 2014-12-04
Gutzwiller Felix · Ständerat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2014-12-04
Wortprotokoll
Ich freue mich, dass ich Ihnen hier im Namen der WBK-SR ein Postulat zur Nachwuchsförderung vorstellen darf, ein Postulat, das seine Wirkung im Rahmen der nächsten BFI-Botschaft entfalten soll und zum zentralen Gegenstand hat, wie der universitäre Nachwuchs in Zukunft besser gefördert werden kann.
Ganz kurz zur Vorgeschichte: In der WBK-SR haben wir schon vor zweieinhalb Jahren in einem Hearing jüngere Forschende angehört und dabei festgestellt, dass im Bereich des Übergangs vom Doktorat zur Professur eine grössere Lücke besteht und vielleicht Reformbedarf da ist. Die Thematik hat sich dann in einem ersten Postulat 12.3343 geäussert, das ebenfalls von der WBK-SR formuliert wurde und das den Bundesrat gebeten hat, die Problematik der Nachwuchsförderung in einem Bericht zu analysieren und aufzuzeigen. Dieser Bericht liegt vor, und man muss sagen, dass es ein ausserordentlich interessanter Bericht ist.
Aufgrund der Diskussion zu diesem Bericht folgt nun sozusagen der zweite Schritt, nämlich dafür zu sorgen, dass die Massnahmen und die Erkenntnisse des Bundesrates aus diesem Bericht dann auch in die Überlegungen zur nächsten BFI-Botschaft einfliessen. Um die Sache einigermassen kurz zu halten, möchte ich aus diesem Bericht zitieren, der Bericht des Bundesrates fasst nämlich die Situation bestens zusammen. Ich unterstreiche, dass es der Bericht des Bundesrates ist, weil - Sie werden es feststellen - das vorliegende Postulat genau dieses Thema aufnimmt: Es "herrscht in der Schweiz eine lehrstuhlzentrierte Hochschulstruktur mit wenigen festen Stellen neben der Professur vor. Dieses auch als 'germanisch' bezeichnete System ist an den deutschsprachigen Universitäten in unterschiedlichem Masse verbreitet und zeichnet sich insbesondere durch eine lange Nachwuchsphase und eine Abhängigkeit vom Ordinariat aus. Im Gegensatz dazu werden in den USA und Grossbritannien nach der Promotion und damit früh in der wissenschaftlichen Karriere eine grössere Anzahl Stellen für selbstständige Lehre und Forschung sowie stärker differenzierte Stellen mit Aussicht auf eine unbefristete Anstellung angeboten."
Dieses Zitat und die Schlussfolgerung des Berichtes schildern gut, worum es geht. Es soll mit dem Kommissionspostulat im Rahmen der nächsten BFI-Botschaft als Ziel umgesetzt werden, dass die Zahl der sogenannten Assistenzprofessuren mit Tenure Track - auf gut Deutsch: mit unbefristeten Anstellungen - deutlich und dauerhaft erhöht wird. Dies sollte eine entsprechende dynamische Wirkung auf die Karriereentwicklung von akademisch Interessierten ausüben. Es braucht also eine mehrstufige Karriereleiter mit Rekrutierungs- und Evaluierungsverfahren, die höchste internationale Qualitätsstandards erfüllt und mithilft, dass die Schweiz auch in Zukunft an der Spitze bleibt.
Damit Sie sehen, wie die Situation heute aussieht, möchte ich einige Zahlen nennen. Gemäss Professor Martin Vetterli, Präsident des Nationalen Forschungsrates des [PAGE 1175] Schweizerischen Nationalfonds, ist der Nachwuchs in der Schweiz in der Tat unter Druck. Die letzten erhältlichen Zahlen zeigen, dass wir über plus/minus 110 000 Studierende verfügen; es gibt ungefähr 22 000 PhD, also Personen in Doktorierungsprogrammen, 10 000 bis 25 000 Postdoktorierende und - da gibt es einen grossen Graben - insgesamt 3900 Professoren und Professorinnen. Mit anderen Worten: Die Postdoktorierungsphase führt dazu, dass jüngere Forschende entweder sehr lange als Postdoktorierende fungieren und dann mit vierzig unter Umständen nicht mehr wirklich auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren können oder aber dass sie die akademische Karriere bald zugunsten anderer Angebote verlassen, weil sie eine solche nicht als attraktiv erfahren. Das sind die Zahlen. Die Zahlen über die Assistenzprofessuren mit Tenure Track: An den amerikanischen Spitzenuniversitäten, etwa in Stanford, sind es im Schnitt 25 Prozent der Assistenzprofessuren; dies im Gegensatz zur Schweiz, wo die Assistenzprofessuren mit Tenure Track an Schweizer Universitäten und im ETH-System 7 Prozent ausmachen.
Das Anliegen dieses Postulates ist es, die Schlussfolgerungen für die BFI-Botschaft zu ziehen und den Bundesrat zu bitten, dort einen massgeblichen Akzent für eine Verbesserung der Assistenzprofessuren und damit für eine Verbesserung der Attraktivität der akademischen Karriereleiter zu schaffen. Ich muss betonen, dass dieses Thema im heutigen Umfeld und seit dem 9. Februar dieses Jahres noch eine andere Dimension gewonnen hat. Denn die Frage, wie sehr der inländische Talentepool genutzt werden kann und die Talente für akademische Karrieren gewonnen werden können, hat ebenfalls an Brisanz gewonnen.
Schliesslich sei darauf hingewiesen, dass das Postulat nicht nur die Situation der Assistenzprofessuren thematisiert, sondern auch ganz klar festhält, dass der Frauenförderung bzw. dem Frauenvorrang ein entsprechendes Gewicht zu geben ist. Schliesslich muss auch die Postdoc-Phase untersucht und verändert werden, weil an schweizerischen Hochschulen viele Betroffene zu lange auf solchen Postdoc-Positionen verharren; ich habe das erwähnt.
Insgesamt empfehle ich Ihnen mit der WBK, die dieses Postulat mit 6 zu 1 Stimmen bei 3 Enthaltungen angenommen hat, es ebenfalls anzunehmen. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass im Rahmen der nächsten BFI-Botschaft, die in diesem Rat diskutiert wird, ein markanter Anreiz für die Schweizer Hochschulen gesetzt werden kann. Durch eine entsprechende Anreizfinanzierung sollten wir wirklich in die Richtung eines Umbaus des im bundesrätlichen Bericht genannten germanischen Modells zu einem stärker angelsächsischen, qualitätsorientierten Modell kommen, das hervorragenden jungen Forscherinnen und Forschern früh genug die Möglichkeit gibt, ihre eigene Karriere zu entwickeln.
Ich danke in dieser Optik dem Bundesrat dafür, dass er das Postulat annehmen will.