preparatory:AB 177187
Maurer Ueli · Bundesrat · Zürich · 2015-03-10
Wortprotokoll
Das Anliegen, das Herr Berberat in der Interpellation darlegt, ist auch für uns ausserordentlich wichtig. Die Armee ist nach wie vor ein Teil der Klammer des nationalen Zusammenhalts. Wir fördern auch den sprachlichen Austausch, wo immer es geht, wobei man vielleicht noch etwas zwischen dem Überwinden von kulturellen Grenzen zwischen den Sprachen und dem eigentlichen Sprachenlernen unterscheiden muss. Aber es ist so, dass fast die Hälfe der Rekruten die Rekrutenschule in einem Landesteil der anderen Sprache absolviert. Für viele ist es das erste Mal, dass sie Wochen in einem anderen Sprachgebiet verbringen, wenn sie entweder im deutsch- oder französischsprachigen Teil ihre Rekrutenschule absolvieren. Sie lernen damit auch andere Mentalitäten kennen und bewegen sich im Ausgang in diesem Sprachumfeld.
Nach Abschluss der Rekrutenschule werden 52,4 Prozent der Absolventen, also mehr als die Hälfte, in Formationen eingeteilt, die zweisprachig sind, 37,5 Prozent sind sogar in dreisprachigen Formationen eingeteilt. Dieser sprachliche Austausch findet also statt. Wir versuchen, es so zu handhaben, dass in Stäben, spezialisieren Einheiten und Betriebsdetachementen in der Regel zweisprachig gesprochen wird, in Kampfeinheiten dagegen nicht, weil dort Missverständnisse entstehen könnten, wenn es in den Einsatz geht. Deshalb sind wir dort sprachlich so aufgestellt. Kader haben in jedem Fall die Möglichkeit, fremd eingeteilt zu werden - mit Ausnahme der italienischsprechenden Panzertruppen. Wir haben leider keine italienischsprechenden Panzertruppen mehr, aber mit diesen kleinen Anteilen ist es eben so.
Wozu es nicht reicht, sind Sprachkurse. Wir reduzieren jetzt noch einmal die Ausbildungszeit auf 225 Tage, das militärische Programm bleibt das gleiche. Effektive Sprachkurse bieten wir in Rekrutenschulen und Truppenkursen nicht an. Wir versuchen aber, durch die Kader in der Ausbildung so zu wirken, dass man beide Sprachen irgendwie verstehen solle. Doch ich denke, wir müssen es auch nicht übertreiben. Die RS bzw. das Militär ist keine Schule für die jeweils andere Sprache, sondern es ist eine Organisation, in der man die Schweiz kennenlernt, andere Inhalte, andere Kulturen, andere Sprachen, und sich damit befasst. Sie kennen das ja selbst aus Ihrem Umfeld; irgendwann ist man einem oder mehreren Französischsprechenden begegnet oder umgekehrt, und man hat sich irgendwie verstanden und arrangiert. Ich glaube, das ist durchaus eine Qualität.
Wo immer es möglich ist, nehmen wir das sehr ernst; wir überschreiten die Grenzen und versuchen, uns in der jeweils anderen Sprache auszudrücken. Wir würden jedoch die Grenze dort machen, wo es sozusagen darum gehen würde, organisierte Sprachkurse anzubieten; dazu haben wir die Mittel nicht. Aber in all diesen Punkten, die Sie angesprochen haben, sind wir, eben beim Mischen von Einheiten, weitergegangen.
Auch beim E-Learning gibt es durchaus einmal die Gelegenheit, dass jemand das in einer anderen Sprache machen muss. Dann lernt er automatisch einige Begriffe. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Ich möchte nicht zu viel versprechen. Aber ich denke, hier leistet die Armee einen wichtigen Beitrag zur Kohäsion des Landes, zum Austausch zwischen den Kulturen und den Sprachgemeinschaften.