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Föhn Peter · Ständerat · 2015-03-17

Föhn Peter · Ständerat · Schwyz · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2015-03-17

Wortprotokoll

Der Bericht zu den gesundheitlichen Aspekten des Fleischkonsums hat mich aufgeschreckt. Ich will oder dulde weder einen Feldzug gegen den Fleischkonsum noch staatlich verordnete Speisepläne. Das darf es nie geben - schon gar nicht aufgrund einer solchen Studie. Ich stelle nicht ihre Wissenschaftlichkeit infrage, sondern die darauf basierenden Interpretationen. Denn diese sind sehr offen, nicht klar, und man weiss vor allem nicht, was noch alles kommen wird. Der Bundesrat schreibt: "Schon heute wird ... empfohlen, nicht öfters als zwei- bis dreimal pro Woche Fleisch zu essen, und es ist den Konsumentinnen und Konsumenten allgemein bekannt, dass ein übermässiger Konsum von Fleischprodukten ... aus Sicht der Gesundheit nicht zu empfehlen ist. Die Empfehlungen müssen also aufgrund des EEK-Berichtes nicht grundsätzlich überarbeitet werden, kleinere Anpassungen können aber nicht ausgeschlossen werden." Was heisst wohl "kleinere Anpassungen"? Bei solchen Aussagen werde ich hellhörig. Es darf doch nicht sein, dass heimische, gute Produkte an den Pranger gestellt oder gar verteufelt werden.

Ich komme kurz zu den Schlussfolgerungen und Empfehlungen aus dieser Studie. Die Schlussfolgerungen und Empfehlungen der Eidgenössischen Ernährungskommission ans Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen passen für mich wie eine Faust aufs Auge. Ich lese Ihnen die drei letzten Punkte vor: "Insbesondere sollten die Empfehlungen zum Verzehr von unverarbeitetem rotem Fleisch eine Beschränkung beinhalten." Der zweitletzte Punkt lautet: "Der Verzehr von verarbeitetem rotem Fleisch sollte noch einschränkender empfohlen werden." Und der letzte Punkt [PAGE 238] lautet: "Diese Empfehlungen gelten für Erwachsene im Alter von 35 bis 70 Jahren, da die Studien diese Altersgruppen untersuchten. Bei älteren Personen sind einschränkende Empfehlungen nicht angezeigt. Bei diesen ist die Deckung des Proteinbedarfs z. B. mit dem Konsum von Fleisch besonders wichtig."

Meiner Meinung nach ist Protein für alle wichtig. Klar, man kann es anstatt in Form von Fleisch auch in Form von Pillen abgeben. Persönlich setze ich ganz klar auf natürliche Produkte und nie oder möglichst wenig auf chemische Produkte. Was soll das? Man gibt die Empfehlung ab, bis genau zum Alter von 70 Jahren sei eingeschränkt Fleisch zu konsumieren. Aber ab dem 70. Altersjahr ist es dann unbedingt notwendig, auch wenn die Grenze um zwei, drei Jahre steigt oder sinkt. Das kann es doch nicht sein. Das ist für mich nicht eine gute Studie.

Ich habe gesagt, dass ich die Wissenschaftlichkeit der Studie nicht infrage stelle, aber die Interpretationen, die sich darauf abstützen; denn in einer ähnlichen sogenannten Studie wurde einleitend Folgendes geschrieben, was ich hier absolut vermisste: "Bei einer Beobachtungsstudie, welche lediglich auf statistische Zusammenhänge hinweist, ohne eine ursächliche Beziehung direkt nachzuweisen, sind weitere Untersuchungen nötig, bevor konkrete Ernährungsempfehlungen abgegeben werden können." Das ist für mich ein richtiger und vor allem auch ein wichtiger Hinweis.

Auf der anderen Seite werden Studien, die positive Effekte von Fleischkonsum aufzeigen, überhaupt nirgends erwähnt. Dass regelmässig Fleisch Konsumierende weniger an Allergien oder an psychischen Erkrankungen leiden, wird völlig verschwiegen. Völlig einseitig werden nur relative, aber keine absoluten Risiken aufgezeigt. Das finde ich einer solchen Arbeit nicht würdig, insbesondere dann nicht, wenn ein allgemein gesundes Nahrungsmittel schlechtgemacht wird. Unsere Leute werden ja immer älter. Was soll denn am roten Fleisch so schädlich sein? Man könnte eventuell auch einmal eine Studie machen, die der Frage nachgeht, wer älter wird: Fleischkonsumenten oder eventuell Vegetarier?

Ich stelle mir schon die Frage: Hat die Eidgenössische Ernährungskommission als ausserparlamentarische Kommission mit einer solchen Arbeitsweise überhaupt noch eine Berechtigung? Was bringen solche Besserwisser unserer Gesellschaft? Wir alle wissen, beim Konsum geht es allermeist einzig um die Frage des Masses.

Noch eine Bemerkung zu den Kosten dieser Studie: Ich hatte gefragt, welche Vollkosten der Bericht erzeugt hat. Und siehe da: Ich wurde überrascht, kostete der Bericht doch nur 6250 Franken. Ich sage einfach: Wer's glaubt, wird selig. Es handelt sich hier um einen 31-seitigen Bericht. Man hat 76 Referenzen eingeholt und folglich auch ausgewertet. Wenn das also die Vollkosten sind, so wurde das sehr, sehr günstig gemacht.

Ich bitte den Bundesrat einfach, die unsäglichen Präventionsbestrebungen gewisser Bundesämter zu stoppen. Ich will auf keinen Fall einen staatlich verordneten Genuss mit einem staatlich verordneten Konsum; insbesondere will ich nicht eine staatlich verordnete Beschränkung des Konsums eines gesunden, heimischen und meines Erachtens lebensnotwendigen Produkts.

Ich danke für die Stellungnahme.