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Gilli Yvonne · Nationalrat · 2015-06-04

Gilli Yvonne · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2015-06-04

Wortprotokoll

Ich habe diese Motion von meinem ehemaligen Fraktionskollegen Hodgers übernommen, weil es um ein berechtigtes Anliegen geht. 2012 ist in der Schweiz die Anzahl Schwangerschaftsabbrüche bei jugendlichen Frauen - 15- bis 19-jährig - gestiegen. Im europäischen Vergleich ist dieser Wert bei uns immer noch tief; es gibt bei uns wenig Teenagerschwangerschaften und wenig Schwangerschaftsabbrüche im Teenageralter. Trotzdem, jeder Abbruch ist ein Abbruch zu viel. Jeder Abbruch ist eine traumatische Erfahrung für die betroffenen jugendlichen Frauen, insbesondere für die jüngsten von ihnen. Diese Frauen gehören zu einer vulnerablen Gruppe, sowohl was die wirtschaftliche Situation betrifft, weil sie noch im Elternhaus wohnen und wirtschaftlich abhängig sind, als auch was ihre psychosoziale Stellung betrifft, weil sie noch nicht erwachsen sind, weil sie sich noch in Entwicklung befinden. Sie stehen an der Schwelle zum Erwachsensein.

Es gibt in diesem Sinn einen guten Grund, dieser Altersgruppe auch eine spezielle Beachtung zu schenken, was die Verhütungsmittel betrifft. Verhütungsmittel sind in der Schweiz gar nicht so billig. Insbesondere für Teenager stellen sie eine wirtschaftliche Belastung dar und können mitunter ein Grund sein, zu spät oder unzuverlässig zu verhüten respektive aus wirtschaftlichen Gründen nicht die für sie selbst geeignete Wahl des Verhütungsmittels zu treffen. Nachbarländer wie zum Beispiel Frankreich bieten minderjährigen Frauen die Verhütungsmittel offenbar - das muss ich von meinem ehemaligen Fraktionskollegen übernehmen - gratis an. Die Schweiz könnte diesem Beispiel folgen und einer besonderen Altersgruppe, eben den minderjährigen Frauen, Verhütungsmittel subventioniert anbieten, sei es gratis oder zu einem sehr günstigen Preis.

Es ist zu vermuten, dass die Kosten dieser Massnahme durch ein Sinken der Kosten für ungewollte Schwangerschaften ausgeglichen werden. Ungewollte Schwangerschaften generieren nicht nur Kosten bei der Schwangerschaft selbst oder durch einen Schwangerschaftsabbruch, sondern auch Folgekosten bei der Bewältigung der Ereignisse im Verlauf des späteren Lebens.

Es gibt noch andere vulnerable Frauengruppen, die ähnlich betroffen sind. Das sind insbesondere Frauen in schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen und Frauen, die noch nicht gut in der Schweiz integriert sind, die aus anderen Ländern und aus anderen Kulturen kommen. Am schlimmsten betroffen sind Frauen, die sich illegal in unserem Land aufhalten. Da wissen wir, dass ihre Gesundheit sehr leidet, insbesondere wenn es zu unerwünschten Schwangerschaften oder überhaupt zu Schwangerschaften kommt, und dass diese am stärksten mit Verhütungsmitteln und mit der entsprechenden Information unterversorgt sind und wenig Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen haben. Diese Motion beschränkt sich auf die vulnerable Gruppe der Teenager.

Ich bitte den Bundesrat, sich dieses Anliegen noch einmal zu Herzen zu nehmen.