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AB 184903

Egerszegi-Obrist Christine · Ständerat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion · 2015-03-02

Wortprotokoll

Zunächst möchte ich Herrn Schwaller ganz herzlich danken: Er hat immer den Ausdruck "Landessprachen" gebraucht. Wenn wir dieses Thema in unseren Kantonen diskutieren, dann geht es immer um den "Fremdsprachenunterricht". Und ich muss immer wieder betonen: Französisch, Italienisch, Romanisch und Deutsch sind keine Fremdsprachen, das sind unsere Landessprachen! Und es ärgert mich, wenn der Nationalfonds sogar die Gesuchsformulare auf Englisch ausgefüllt anfordert, denn das ist wirklich eine Fremdsprache. Zugegeben, Englisch ist eine wichtige Sprache, nämlich die Sprache der Wirtschaft, der Technik, der Informatik.

Wir dürfen nicht übersehen, dass die Sprache für ein Land ein ganz wichtiges Identifikationsmittel ist. Ich möchte Ihnen in Erinnerung rufen, dass der Ursprung des Konfliktes in der Ukraine darin bestand, dass die vorhergehende Regierung den Ostukrainern verbot, Russisch zu sprechen. Russisch als Amtssprache wurde verboten. Die russische Kultur durfte nicht mehr gepflegt werden, auch in den Schulen nicht.

Sie haben gestern vielleicht die Wahlen in Estland verfolgt. Dabei kam immer wieder zum Ausdruck, dass man Angst hat vor einer russischen Aggression und dass man darangeht, der russischen Minderheit ihre Sprache zu verbieten. Das ist das Schwierigste, was man überhaupt machen kann.

Wir sind uns gewohnt, dass wir in einem Land mit vier Kulturen leben. Aber die Pflege dieser Kulturen, und dazu gehören auch die Landessprachen, darf sich nicht auf Subventionen allein beschränken. Wir müssen unsere anderen Mitbürger mit einer anderen Sprache verstehen. Früher war das eine Selbstverständlichkeit: Ein Welschlandjahr gehörte dazu; arbeitete man in einem Unternehmen, war man ein Jahr auch in Genf. Jetzt geht man vielleicht nach London oder New York. Das ist schon auch gut. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Sprache etwas ganz Wichtiges ist und dass die Vielfalt in der Einheit für unser Land kostbar ist.

Frau Häberli-Koller hat von der Qualität gesprochen; als Sprachenlehrerin kann ich das nur unterstützen. Aber jetzt muss ich Ihnen sagen: Beim Frühunterricht in einer anderen Sprache geht es mir nicht um Dinge wie "passé simple" und "subjonctif", es geht mir ganz allein darum, dass das Kind möglichst früh lernt, dass es z. B. für einen Stuhl "chaise", "chair", "Stuhl" sagen kann, dass immer das gleiche Ding gemeint ist. Diese geistige Beweglichkeit lernt ein Kind spielend. Mein Mann stammte aus Ungarn, und wir sind mit unseren Kindern immer nach Ungarn in die Ferien gegangen. Sie konnten nicht Ungarisch, aber sie haben bei ihren Grosseltern einfach so gesprochen, sich mit dem Herzen ausgedrückt - bis der Verstand dazukam. Sobald sie keine Fehler mehr machen, sondern grammatikalisch richtig sprechen wollten, haben sie dieses spontane Sprechen von Mensch zu Mensch - und das ist das Wichtige - verloren.

Ich bin klar der Meinung, dass die Sprachenvielfalt für unser Land wichtig ist. Für den Fall, dass sich die Kantone nicht einigen können, hat die Bevölkerung in der Verfassung festgelegt, dass der Bundesrat die Kompetenz hat zu handeln. Es ist besser, wenn sich die Kantone einigen, aber sonst muss man auch den Bundesrat unterstützen.

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