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Trede Aline · Nationalrat · 2014-09-10

Trede Aline · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2014-09-10

Wortprotokoll

Die Diskussion ist eine alte und, wie wir gerade gemerkt haben, auch immer noch eine sehr emotionale. Männer und Frauen sollen gleichgestellt werden, und dazu gehören Betreuungsangebote, das können wir hier nicht wegdiskutieren. Wir haben immer wieder die Diskussion, dass gleiche Karrierechancen für alle gelten sollten. Es braucht deshalb ein gutes Betreuungsangebot, es sollen Männer und Frauen arbeiten können. Wir haben immer noch eine Lohnungleichheit zwischen Mann und Frau, wir haben weniger Kaderfrauen. All diese Probleme können wir hier nicht wegdiskutieren.

Herr Bundesrat Schneider-Ammann hat die Diskussion wieder neu angeheizt und entgegen Frau Pieren auch den 9. Februar 2014 als Argument genommen; er ist nicht rot-grün, das wollte ich Ihnen noch sagen, da müssten Sie vielleicht zum Augenarzt gehen. Er diskutiert den neuen Fachkräftemangel, den wir nach diesem Abstimmungsresultat haben. Plötzlich wird das Potenzial der Frauen wieder ins Zentrum gerückt. Warum eigentlich sonst nicht? Jetzt heisst es wieder: Ja, die Frauen, sie müssen jetzt heran, sie müssen arbeiten, wir haben hier ein riesiges Potenzial, das brachliegt. Das stimmt, aber es ist nicht nur wegen des Fachkräftemangels, es ist auch sonst ein riesiges Potenzial, das brachliegt.

Herr Schneider-Ammann möchte nun Zivildienstleistende in Kitas schicken. Das ist eigentlich keine schlechte Idee, der Punkt ist nur folgender: Setzen wir damit wieder einen Frauenberuf unter seinen Wert? Ersetzen wir gut ausgebildete Betreuungspersonen durch Zivildienstleistende? Das wäre nicht der richtige Weg. Es muss uns etwas kosten, es muss uns etwas wert sein, ein gutes und flexibles Betreuungssystem zu haben. Wir müssen das Betreuungspersonal richtig entlöhnen.

Ich hoffe trotzdem, dass das, was Herr Bundesrat Schneider-Ammann angestossen hat, etwas Elan bringt und uns weiterbringt. Ich denke nämlich auch, dass die gesellschaftspolitische Diskussion wichtig ist. Wir werden auch künftig nicht nur von Frauen reden können, wir müssen auch über Männer und Väter sprechen, die auch eine gewisse Betreuung übernehmen müssen. Da können die Männer hinten in den Reihen der CVP natürlich lachen, weil immer noch die Frauen hinter Ihnen stehen und Ihnen den Rücken freihalten.

Heute sprechen wir von der Weiterführung der finanziellen Unterstützung für die familienergänzende Kinderbetreuung. Wir haben von Frau Quadranti gehört, dass sie ein grosser Erfolg ist. In den letzten zehn Jahren wurden mehr als 40 000 Betreuungsplätze geschaffen, das ist eine riesige Zahl, das kann man nicht wegdiskutieren. Es ist erst noch ein nachhaltiges Angebot: Über 90 Prozent der geschaffenen Plätze existieren immer noch, obwohl die Anschubfinanzierung weggefallen ist.

Dennoch ist das Niveau in der Schweiz, wie wir gerade vorhin gehört haben, sehr tief. Wir diskutieren darüber, dass es nicht einmal genügend Plätze gibt. In Schweden sind meine Freunde im Moment in ein Pilotprojekt für eine Nacht-Kita eingebunden, sodass zum Beispiel für Ärzte in Zukunft sogar in der Nacht ein Angebot zur Verfügung stehen wird. In der Schweiz gibt es keine flexiblen Kitas, die zum Beispiel während der Sessionen, also viermal im Jahr für drei Wochen, Kinder aufnehmen. Es gibt jeweils ganz klare Regelungen, es sind immer die gleichen Wochentage, zum Beispiel Montag und Dienstag oder Donnerstag und Freitag. Es gibt keine Flexibilität. Wir sind in der Schweiz extrem stark im Rückstand und könnten uns wirklich an anderen Ländern ein Beispiel nehmen. Wir müssen deshalb alles daransetzen, diesen Rückstand aufzuholen. In Anbetracht der Situation in der ganzen Schweiz, auch nach dem vergangenen 9. Februar, ist es gut, dass wir heute diese Diskussion führen.

Die Grünen unterstützen die Weiterführung der Finanzierung von Kindertagesstätten und somit auch die angepasste parlamentarische Initiative Quadranti. Sie ist ein Schritt in Richtung einer Gesellschaft mit mehr Gleichstellung. Wir wollen ein gutes Betreuungsangebot in den Städten, aber auch in den Agglomerationen und auf dem Land. Dazu sind noch grosse Anstrengungen nötig. Deshalb ist es nichts als angebracht, dass wir die Finanzierung bis 2019 sicherstellen.