Lexipedia

Girod Bastien · Nationalrat · 2015-09-16

Girod Bastien · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2015-09-16

Wortprotokoll

Der Wald erfüllt viele wichtige Funktionen: als Schutzwald, als Lebensraum für Natur und Menschen. Diese Revision verfolgt drei Ziele. Es soll damit auf zwei Herausforderungen reagiert werden, auf die Klimaerwärmung und die invasiven Arten; das dritte Ziel ist die Verbesserung der Waldnutzung. Alle drei Ziele werden von den Grünen unterstützt.

Lassen Sie mich zum Thema Klimaerwärmung etwas sagen: Das Ziel gemäss unserem CO2-Gesetz und gemäss der internationalen Gemeinschaft ist ja das Zwei-Grad-Ziel. Die zwei Grad beziehen sich aber auf das globale Mittel, und weil sich die Landflächen stärker erwärmen, bedeutet auch das Zwei-Grad-Ziel eine Erwärmung von vier Grad. Was heisst eine Erwärmung von vier Grad? Die Hitzesommer 2003 und 2015 liegen gerade in einer Anomalie von etwa plus vier Grad. Solche Hitzesommer werden also zur Normalität - und das, wenn wir die Klimaziele erreichen, wenn wir mit dem Klimaschutz vorwärtsmachen.

Heute sind wir aber auf einem ganz anderen "trajectory", auf einem ganz anderen Pfad. Wenn wir auf dem heutigen Pfad weitergehen, dann haben wir, das sagen die Modelle, sechs Grad Erwärmung, und das wiederum im globalen Mittel. Die Landflächen erwärmen sich wiederum viel stärker, das heisst, wir haben eine Erwärmung um zehn Grad. Bis Ende dieses Jahrhunderts werden wir also eine starke Erwärmung erleben.

Wieso ist das relevant für den Wald? Der Wald hat, wie kein anderes Ökosystem, lange Zyklen. Das Umtriebsalter der verschiedenen Baumarten ist um die hundert Jahre. Das ist eine enorme Herausforderung, weil man heute nicht weiss, welches in hundert Jahren der "optimale Baum" sein wird. Wenn die Bäume nicht an das Klima angepasst sind, sind sie viel empfindlicher, das hat man in den Hitzesommern gesehen: Die Bäume werden anfälliger für Krankheiten. Dazu kommen die invasiven Arten, die in einem geschwächten Wald leichter Schaden anrichten können. Deshalb ist der zentrale Artikel dieser Revision aus unserer Sicht wahrscheinlich Artikel 28a, in dem es darum geht, vorausschauend die Diversität im Wald zu erhöhen, damit der Wald auf die Klimaerwärmung besser vorbereitet ist.

Aber nochmals: Der Unterschied zwischen keinem Klimaschutz und ambitioniertem Klimaschutz beträgt für die Schweiz mehr als vier Grad. Das ist auch für den Wald ein grosser Unterschied. Deshalb ist es wichtig, nicht nur vorzubereiten, sondern beim Klimaschutz auch vorwärtszumachen. Das ist aber ein anderes Gesetz. [PAGE 1582]

Zur vorliegenden Gesetzesänderung ist noch zu sagen, dass es uns im Unterschied zu früheren Revisionen gelungen ist, den Versuchungen zu widerstehen, das gute Waldgesetz, das wir haben, zu stark abzuschwächen. Das führt auch dazu, dass wir hier eine tragfähige Vorlage haben. Auch bei Artikel 5 war es eigentlich nie die Absicht der Kommission - entgegen dem, was in Medienberichten stand -, eine generelle Lockerung vorzunehmen. Es ging nur darum, Verbesserungen zu erreichen und eine bessere Verträglichkeit mit den erneuerbaren Energien herbeizuführen.

Die Grünen unterstützen deshalb diese Vorlage und sind für Eintreten.