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Schlüer Ulrich · Nationalrat · 2002-03-06

Schlüer Ulrich · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-03-06

Wortprotokoll

Zum Glück kennen wir in diesem Land am 1. August jeweils keine Staatsfeiern. Zum Glück werden solche Veranstaltungen, wenn sie stattfinden, in den Gemeinden von Mitbürgerinnen und Mitbürgern organisiert, die den Wunsch haben, Bundesfeiern zu organisieren und die diesem Wunsch Gestalt geben.

So soll es doch auch im Ausland sein. Heimatliebe ist Sache des Einzelnen und ist nicht vom Staat zu verordnen. Er fände dazu ja wohl auch das Motiv nicht. Insofern verzichten wir auf offizielle, subventionierte und reglementierte Feiern, für die wir andernfalls ja gesetzliche Eckpfeiler setzen müssten. Wir überlassen das, was im Ausland geschieht, der Spontaneität der Auslandschweizer und der dortigen Botschaften, die allenfalls etwas unternehmen oder vielleicht auch nicht.

Ich habe schon an solchen Veranstaltungen teilgenommen. Im Jubiläumsjahr 1991 habe ich im Ausland den 1. August in einem Schweizer Club gefeiert, wobei auch die Botschaft vertreten war. Die dortigen Organisatoren haben Phantasie. Wir müssen ihnen zur Feier kein "Gipfelireglement" oder etwas Ähnliches verordnen, bis sie fähig sind, ein gutes, schweizerisches, interessantes und auch heiteres Fest zu feiern.

Es gibt auch die Möglichkeit, die meines Wissens in Berlin genutzt wird, dass - vielleicht sogar auf Anregung des Botschafters - Schweizer gefunden werden, die als Sponsoren auftreten und dann etwas Grösseres ermöglichen. Auch das soll doch der Phantasie der Organisatoren überlassen bleiben; das müssen wir von hier aus nicht reglementieren und nicht mit Normbeiträgen für Subventionen versehen. Ganz bestimmt werden die Organisatoren auch die Kinder nicht vergessen, die an der Bundesfeier immer spezielle Aufmerksamkeit erfahren.

Ich hege in diesem Zusammenhang einen anderen Verdacht. Das steht zwar nicht in der Interpellation, aber ich habe es übergross zwischen den Zeilen gelesen: Man möchte gerne schweizerische Delegationen - z. B. Parlamentarierdelegationen - an solche Bundesfeiern im Ausland entsenden - institutionalisiert, damit die Kosten dafür dem Staat überbürdet werden können. Denn im Erfinden von Reisegründen sind einzelne Parlamentarier in diesem Haus so phantasiereich wie sonst bei keinem anderen Geschäft.