Zbinden Hans · Nationalrat · 1999-12-08
Zbinden Hans · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 1999-12-08
Wortprotokoll
Bilder zu pflegen ist eine notwendige Zeiterscheinung im optischen Zeitalter, im medialen Zeitalter und vor allem im Wettbewerbszeitalter. Das gilt notabene nicht nur für Länder; das gilt auch für alle Unternehmen und für Individuen. Sie selbst im Parlament wissen, wie man individuelle Imagepflege betreibt, wie man sich gut inszeniert, wie man sich in der Öffentlichkeit positiv zeigt. Deshalb ist es für unsere Fraktion auch klar, dass die Schweiz unter den heutigen Bedingungen die Imagepflege nicht einfach dem Zufall überlassen kann, dass sie hier systematisch arbeiten muss, und dies nicht nur in Krisensituationen. Es ist für uns einleuchtend, dass Imagepflege eine prophylaktische Daueraufgabe ist und dass man das nicht wie bisher dilettantisch angehen kann - wobei ich jetzt nicht die Koko meine. Aber von unserer Seite her haben wir auch ganz bestimmte Bedenken, und diese möchte ich hier kurz erwähnen:
1. "Präsenz Schweiz" als Nachfolgeorganisation der Koko darf keine "Behübschungsinstitution" werden, keine "Geranieninstitution", die manches wieder gut macht, was andere schlecht gemacht haben. Für uns ist wichtig, dass diese Institution mit dem Ausland kommuniziert und die Schweiz realistisch darstellt. Wir müssen es den ausländischen Rezipientinnen und Rezipienten überlassen, was sie aus diesen Informationen machen. Es geht also nicht um Manipulation oder um Bildverschönerung, sondern darum, realistische Bilder der Schweiz zu vermitteln.
2. Wir wollen verhindern, dass die Schweiz in der ausländischen Öffentlichkeit ein doppeltes Bild vermittelt. Sie alle wissen, dass unsere industriellen und wirtschaftlichen Flaggschiffe im Bankensektor, in der Nahrungsmittelindustrie und im pharmazeutischen Bereich unsere grossen Bilderzeichnerinnen und -zeichner im Ausland sind. Wenn sich zum Beispiel ein Schweizer Unternehmen in den USA mit der Wettbewerbsbehörde oder der Gesundheitsbehörde anlegt, wenn es dann zu Einigungen kommen muss, wenn Gelder im Sinne von Bussen oder Vergleichen bezahlt werden müssen, dann belasten diese grossen Konzerne in den USA das Bild der Schweiz - ein Bild, das wir dann von der öffentlichen Hand her wieder mühsam korrigieren müssen. Diese Arbeitsteilung darf es in Zukunft nicht mehr geben, dass die einen das Bild privat verschlechtern und die öffentliche Hand - also wir - es wieder zurechtrücken müssen. Die Unternehmen müssen zukünftig vermehrt eingebunden werden und bei ihren Handlungen berücksichtigen, dass sie - ob bewusst oder nicht - das Bild der Schweiz mitverantworten.
3. Die beste Bildveränderung ist die Realitätsveränderung. Wir müssen nicht primär unser Bild verändern, sondern die schweizerische Realität und die schweizerische Aussenpolitik anpassen; damit verändern wir unser Image am effektivsten. Wenn wir in der ausländischen Öffentlichkeit das Bild einer eigensinnigen, selbstbezogenen, selbstgenügsamen Nation abgeben, hängt das damit zusammen, dass wir uns heute von der internationalen Gemeinschaft mehr oder weniger verabschiedet haben.
Konkrete, reale Aktionen, die unser Bild im Ausland positiv verändern würden, wären ein Uno-Beitritt und ein EU-Beitritt und dass wir die international verlangte Quote in der Entwicklungszusammenarbeit endlich einhalten.
Wir unterstützen "Präsenz Schweiz". Wir sind der Meinung, dass wir da systematisch kommunizieren müssen, aber wir müssen auch die Proportionen wahren. Wir müssen auch sehen, dass es für das, was wir nicht vom Bund aus machen können, andere Aktionsbereiche gibt, um unser Image real zu verbessern.