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Barrile Angelo · Nationalrat · 2016-04-26

Barrile Angelo · Nationalrat · Zürich · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-04-26

Wortprotokoll

Von mir werden Sie keine neuen Argumente hören, und trotzdem kann ich nicht schweigen, denn wenn ich meinen Vorrednerinnen und Vorrednern zuhöre, wenn ich vernehme, wie die Gegner der heutigen Vorlage argumentieren, komme ich nicht darum herum, von Zynismus zu sprechen. Da wird die Verantwortung auf die Verjährung und auf andere Generationen abgeschoben, das erlittene Unrecht und Leid und die Verletzungen werden mit dem Zeitgeist gerechtfertigt und entschuldigt. Wenn ich dies höre, muss ich mich schämen. Ich muss mich schämen, weil ich weiss, dass heute viele Menschen unserer Debatte folgen und auf ein Zeichen hoffen. Sie hoffen auf eine Anerkennung für das erlittene Unrecht, auf eine symbolische Entschuldigung und auf die Übernahme einer politischen Verantwortung. Um mehr geht es gar nicht, denn wiedergutmachen können wir das Leid leider nicht.

Heute geht es um die Opfer, und an sie müssen wir denken, wenn wir über den indirekten Gegenvorschlag debattieren. Die Opfer gibt es wirklich, sie sind kein Hirngespinst. Vor allem geht es darum, dass die Zeit drängt. Der Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen sind viele, und sie leiden auch heute noch; das haben wir gehört. Sie leiden vor allem an den sozialen Folgen einer geraubten Kindheit, und sie leben deshalb teilweise unter prekären finanziellen Verhältnissen. Aber darum geht es mir jetzt gar nicht, denn als Arzt sehe ich noch viel mehr: Sie leiden an den körperlichen und an den psychischen Folgen. Können Sie sich vorstellen, was es bedeutet, wenn man ihnen das Kind nach der Geburt weggenommen hat oder wenn sie zwangssterilisiert wurden oder täglich von der Pflegefamilie gedemütigt und geschlagen wurden? Ich kann es mir nicht vorstellen, aber ich sehe die Folgen, und das ist schon schlimm genug.

Letzte Woche musste ich einem betagten Patienten versprechen, dass ich mich heute für ihn und die anderen Opfer einsetze, dass ich mich für den indirekten Gegenvorschlag zur Initiative einsetze, denn er hofft auf ein baldiges Zeichen aus diesem Parlament. Er hofft, dass wir ihm zumindest ein Symbol der Entschuldigung vermitteln. Vor allem musste ich ihm aber versprechen, dass ich heute an ihn denke, wenn ich im Namen der Opfer spreche, und genau das tue ich jetzt.

Bitte tun Sie das auch! Setzen Sie ein klares Zeichen, und unterstützen Sie den indirekten Gegenvorschlag zur Wiedergutmachungs-Initiative!