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Minder Thomas · Ständerat · 2016-06-14

Minder Thomas · Ständerat · Schaffhausen · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2016-06-14

Wortprotokoll

Wir haben in der Schweiz kein landesweites Schwanenproblem - das vorweg. Erlauben Sie mir als ehemaligem lizenzierten Vogelberinger der Vogelwarte Sempach eine Bemerkung zu diesem Vorstoss. Dass wildlebende Tiere keine Plüschtiere für das Sofa und Schwäne nicht nur Symbol für ewige Liebe sind, sei als einleitende Bemerkung erwähnt. Komplett falsch ist es, bald jedem freilebenden Tier nur noch seine Negativbilanz aufzurechnen. Sollen bald Obergrenzen für freilebende Tiere eingeführt werden, ist das die Idee? Oder haben wildlebende Tiere eben auch ihre Daseinsberechtigung? Hat nicht gerade der Schwan eine Daseinsberechtigung mit seinem majestätischen Auftreten, das uns und insbesondere die Kinder beeindruckt? Jeder von uns hat in seiner Kindheit wohl auch einmal Schwäne gefüttert. Sie geniessen, wie auch die Störche, in der Bevölkerung eine überaus grosse Akzeptanz, gerade weil sie so nahe an der Zivilisation leben.

Kollege Niederberger hat mit diesem Vorstoss eine Mücke zum Elefanten oder eben zum Schwan gemacht. Es gibt kein landesweites Schwanenproblem. Wir überschiessen hier, im wahrsten Sinne des Wortes, total. Nur weil in den Kantonen Nidwalden und Obwalden ein paar Schwäne auf den Feldern Kot verursachen, ist das für uns noch lange nicht ein Grund zu legiferieren und noch viel weniger, gesamtschweizerisch aktiv zu werden. Sie haben richtig gehört: Es geht in Nid- und Obwalden in erster Linie um den Kot auf den Futtergraswiesen. Gerade wir Standesvertreter sollten dem Föderalismus mehr Beachtung schenken und solche Kleinigkeiten jeweils in unserem eigenen Kanton lösen. Den hintersten und letzten Schwanenkot nach Bern zu tragen ist falsch.

Frau Bundesrätin, Sie haben soeben bei einer Motion Gysi Barbara an den Föderalismus appelliert. Das gilt auch für diesen Vorstoss. Diese Motion will auch in der abgeänderten Version, dass der Schwan in Zukunft auf der eidgenössischen Jagdliste figuriert. Schon jetzt können Schwäne in unseren Kantonen via Einholung einer kantonalen Bewilligung abgeschossen und reguliert werden. Das genügt; der Schwan muss nicht gesamtschweizerisch jagdbar werden, weil er auch nicht gesamtschweizerisch Probleme verursacht, so einfach ist das.

Bitte vergessen Sie auch das fachliche Argument nicht, dass es eine viel effektivere und weniger riskante Variante der Dezimierung der Schwäne gibt, falls diese überhaupt notwendig ist. Es ist nämlich die Variante, ihre Eier während der Brutzeit zu schütteln oder anzustechen, sodass die Schwäne die Brut verlieren. Unzählige Beispiele beweisen es: Wenn man in einem Habitat Vögel abknallt, gerade weil es eine Überpopulation gibt, füllt sich der Bestand einfach wieder aus anderen Habitaten auf. Ein Appell an die Nidwaldner Regierung oder Behörde: Sie können das mal versuchen und ein paar störende Schwäne abknallen. Ich garantiere Ihnen, dass schon innert kürzester Zeit ein neuer Schwan am selben Ort erscheint. Nicht nur ist das Schütteln der Eier viel wirksamer, es fliegt auch kein Schrot in der Luft herum.

Wenn mein Antrag nicht durchkommt, wäre ich über Medienschlagzeilen wie "Ständerat erlaubt das Abknallen von Schwänen" jedenfalls nicht überrascht. Es wäre dann an Ihnen, all die Protestbriefe in Ihren Kantonen zu beantworten.

Letzte Woche haben die Behörden in Vevey einen schwarzen Schwan - den gibt es auch als seltenen Gast in der Schweiz - eingefangen. Die Behörden argumentierten, er gehöre nicht in die Schweiz, dies, obwohl er kerngesund war und keinerlei Fehlverhalten zeigte. Ich schildere Ihnen diesen Fall aus Vevey, um Ihnen einen kleinen Vorgeschmack auf unseren heutigen Entscheid zu geben, weil nämlich das Entfernen dieses schwarzen Schwans in der Region Vevey einen ganz grossen Sturm der Entrüstung verursacht hat.

Ich bitte Sie aus all diesen Überlegungen, meinem Ablehnungsantrag zuzustimmen. Bitte beachten Sie, dass es heute bei diesem Vorstoss um den Schwan und nicht um den Wolf geht.