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Friedl Claudia · Nationalrat · 2016-06-16

Friedl Claudia · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2016-06-16

Wortprotokoll

Ich habe dieses Postulat vor bald zwei Jahren eingereicht. Ich glaube, wir wissen alle, dass es der Berufsfischerei in der Schweiz nicht sonderlich gutgeht. Dieses traditionelle Gewerbe ist enorm unter Druck. Das ist doch erstaunlich, weil die Wasserqualität sich in unseren Seen seit den Siebzigerjahren enorm verbessert hat. Heute können Fische sich wieder reproduzieren: Felchen, Saiblinge, die auf dem Grund laichen, können sich selbst reproduzieren. Das war jahrelang nicht mehr der Fall.

Trotzdem geht es jetzt der Berufsfischerei sehr schlecht. Die Zahl der Berufsfischerinnen und -fischer hat drastisch abgenommen, seit den Siebzigerjahren praktisch um die Hälfte. Auch das Alter der Berufsfischerinnen und -fischer wird immer höher, es fehlt also an Nachwuchs. In einigen Seen ist auch ein Fangrückgang zu verzeichnen, der auf die Existenzsicherung drückt, sodass eben viele Berufsfischerinnen und -fischer ihre Existenz nicht mehr mit diesem Beruf sichern können.

Die Gründe sind vielfältig, bzw. wir haben immer separat die verschiedensten Sachen abgeklärt. Nehmen wir die ökologisch-physikalischen Parameter wie die Wasserqualität, die Nährstoffe, aber auch die Mikroverunreinigungen, das Klima und damit die Durchmischung der Seen, die sich verändert hat, und nehmen wir dann die Artenzusammensetzung, die sich verändert hat. Im Bodensee beispielsweise sind heute 80 Prozent der Fische Stichlinge. Diese sind kommerziell nicht nutzbar. Nur schon in diesem Bereich haben wir viele verschiedene Aspekte, die berücksichtigt werden müssen oder sollten.

Wir haben aber auch soziologische Aspekte: Wie ist für die Fischer der Zugang zum See? Wie können sie ihre Produkte vermarkten? Wie steht es mit der Konkurrenz? Und wie steht es mit der Ausbildung von neuen Berufsfischerinnen und -fischern?

Sie sehen, es gibt hier viele Teilbereiche. Und was man feststellen kann: Fast zu jedem Teilbereich gibt es bereits gute Unterlagen. Ich erinnere an das "Projet Lac". Das ist ein Projekt, das sich genau einer solchen Fragestellung annimmt. Jetzt geht es einfach darum, die verschiedenen Faktoren zusammenzutragen und sich Gedanken zu machen, wie man die Rahmenbedingungen für die Berufsfischerei in der Schweiz verbessern kann.

Der Bundesrat sagt, es sei nicht seine Aufgabe, dieses traditionelle Gewerbe zu erhalten, und beantragt deshalb die Ablehnung des Postulates; das ist jetzt rund eineinhalb Jahre her. Nach dieser Ablehnung hat aber die UREK das Anliegen meines Postulates übernommen und daraus ein Kommissionspostulat (15.3795) gemacht. Dieses Postulat wurde bereits angenommen. Herr Girod hatte in diesem Zusammenhang bestätigt, dass auch das Kommissionspostulat auf die einzelnen Schweizer Seen eingehen wolle; es ist ja nicht so, dass es etwas gibt, das für jeden See zutrifft.

Weil mein Anliegen nun in dieses Kommissionspostulat eingeflossen ist und dieses angenommen wurde, kann ich mein Postulat zurückziehen, was ich hiermit tue.