Keller Peter · Nationalrat · 2016-06-16
Keller Peter · Nationalrat · Nidwalden · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2016-06-16
Wortprotokoll
Ich sehe, der Herr Bundesrat sucht bereits eine neue Hymne auf seinem Handy.
"Trittst im Morgenrot daher" - wie geht es weiter? Selbst ich kann nicht sämtliche Strophen auswendig. Ich denke, das ist auch nicht der Punkt. Auch einer neuen Hymne würde es ähnlich ergehen. Wir haben diesen Schweizerpsalm. Hinter ihm steckt eine schöne Entstehungsgeschichte: Die Schweiz war Mitte des 19. Jahrhunderts tief gespalten, konfessionell gespalten zwischen der katholischen Schweiz und der reformierten Schweiz. Diese Spaltung führte letztendlich 1847 sogar zu einem Bürgerkrieg. In dieser Zeit setzten sich zwei Männer zusammen, ein Komponist und katholischer Priester, Alberik Zwyssig, und ein protestantischer Dichter aus Zürich, Leonhard Widmer - und sie schufen zusammen diese Hymne.
Man kann über den Text streiten. Man kann sagen, diese konfessionelle Geschichte sei veraltet. Aber die Idee oder der Gedanke dahinter ist doch bis heute gültig. Wenn Sie hier auf das Wandbild hinter mir schauen, ins Gewölk hinein, sehen Sie eine leicht bekleidete Dame mit einem Ölzweig in der Hand. Das ist die Concordia. Sie steht für die Eintracht. Genau dieser Gedanke steckt auch in dieser Hymne: dass man sich zusammenrauft, wenn man auch unterschiedlicher Meinung, unterschiedlicher Konfession oder was auch immer ist. Dieser Gedanke ist im Schweizerpsalm enthalten.
Die Motion will nicht, dass die Hymne für immer und ewig festgefroren wird. Es ist kein Verbot einer neuen Hymne. Sie will nur Klarheit darüber schaffen, wie auf dem politischen Weg vorzugehen ist, falls man eine neue Hymne einführen will. Denn jetzt ist hier ein unklarer Zustand. Es ist rechtlich nicht eindeutig festgelegt, bei wem die letzte Entscheidung liegt. Die Motion möchte, dass eine allfällige neue Hymne hier im Parlament behandelt und beraten wird, dass wir hier - ob einträchtig oder nicht - darüber befinden können und man letztlich, wie auch immer die Entscheidung ausfällt, auch die Möglichkeit hätte, das Referendum zu ergreifen, sodass am Ende die Bevölkerung darüber befinden könnte, ob sie eine neue Hymne möchte. Denn wer darf oder muss am Schluss eine Hymne singen? Es ist nicht nur der Bundesrat, es ist nicht nur das Bundesamt für Kultur, es sind nicht nur wir hier im Rat, es ist die Schweizer Bevölkerung.
Ich bitte Sie, dieser Motion zuzustimmen - im Geiste der Entstehung, im Geiste der Concordia, wie Sie sie hier hinter mir sehen.