Stahl Jürg · Nationalrat · 2016-11-29
Stahl Jürg · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2016-11-29
Wortprotokoll
Die Ausstellung im Parlamentsgebäude, zwischen den beiden Ratssälen, lässt sich nicht übersehen. Die beiden Veranstalter, die Parlamentsbibliothek und das Staatsarchiv Freiburg, bieten uns damit Gelegenheit, die 500-Jahr-Feier des Ewigen Friedens zwischen der Schweiz und Frankreich würdig zu begehen. Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken.
Heute vor 500 Jahren, am 29. November 1516, konnte in der Zähringerstadt Freiburg nach langen Verhandlungen der Ewige Frieden geschlossen werden, zwischen den dreizehn Orten der Eidgenossenschaft und ihren Zugewandten einerseits und François Ier als König von Frankreich und Herzog von Mailand andererseits. Dieser unbefristete Friedensvertrag, für den sich besonders die westlichen Kantone Bern, Freiburg und Solothurn starkgemacht hatten, sollte allen Parteien zugutekommen. Der König von Frankreich sicherte jedem Kanton sowie dem Wallis und den Drei Bünden eine jährliche Pension von 2000 Franken zu; der gleiche Betrag ging - als aufteilbare Rente - an eine Reihe von Zugewandten. Dies war, nebenbei gesagt, für die Freiburger bestimmt ein schöner Zustupf an den Bau des neuen Rathauses, wo noch heute der Grosse Rat tagt.
Endgültig besiegelt wurden die Vorteile, die der Eidgenossenschaft mit dem Ewigen Frieden gewährt wurden, im Soldbündnis vom 5. Mai 1521 in Luzern. Die helvetischen Söldner in Frankreich waren nun nicht mehr die einzigen Privilegierten: Die Schweiz konnte fortan von Steuerbefreiungen und Handelsfreiheiten profitieren und hatte ihre eigene Gerichtshoheit.
Die Eidgenossen begruben zwar ihren Traum, sich mit Gebietseroberungen einen Handelsweg zum Meer zu bahnen, dafür war ihnen jetzt der ungehinderte Zugang zu den Messestädten Mailand und Lyon sicher. Die Alte Eidgenossenschaft hatte nun eine neue Aufgabe: Sie diente als Pufferzone zwischen den Grossmächten Europas, was Voltaire zur Aussage verleitete: "Ô monts helvétiens! Vous êtes les remparts des beaux lieux qu'arrose la Seine."
Mit dem Tessin mehrsprachig geworden, musste die Eidgenossenschaft für ihr Überleben fortan nicht mehr "le sport brutal de la guerre" betreiben, wie Denis de Rougemont sagte. Sie baute mit ihren Nachbarn friedliche und - mit ihrem Handel und ihren Bankdienstleistungen - auch ganz einträgliche Beziehungen auf.
Frankreich trat sowohl als Monarchie wie auch als Republik und als Kaiserreich bei den Streitigkeiten zwischen den Schweizer Kantonen als Vermittler auf, und es mischte sich mehr als einmal in die inneren Angelegenheiten unseres Landes ein. Frankreich zwang die Schweizer sozusagen, untereinander auszukommen. So kann man sich fragen, ob unser Land ohne das immer wieder erneuerte Bündnis mit Frankreich je ein souveräner Staat geworden wäre.
Ich empfehle Ihnen, in der Ausstellung das Faksimile des am 29. November 1516 in Freiburg unterzeichneten Friedensvertrages anzuschauen. Das Original dieser für die Alte Eidgenossenschaft bestimmten frühneuhochdeutschen Fassung wird in Freiburg aufbewahrt. Nehmen Sie sich auch die Zeit, den zweiseitigen Auszug aus dem Ratsmanual zu lesen. Der Rat der Eidgenossen beklagt sich darin über die bescheidenen Geschenke an den Schweizer Gesandten, "ce 'bon Fribourgeois' de Peter Falck", wie ihn der französische König herablassend genannt haben soll. Die Messingkapseln, von denen eine ein Wachssiegel enthält, der von François Ier unterzeichnete Brief oder die von Freiburg ausgestellte Quittung für die erhaltenen Pensionen - das alles sind authentische und höchst eindrückliche Zeugnisse aus jener Zeit.