Kiener Nellen Margret · Nationalrat · 2017-03-14
Kiener Nellen Margret · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-03-14
Wortprotokoll
Ich bitte Sie, mit meiner Motion den Bundesrat zu beauftragen, ein Forschungsprojekt zur Erforschung der Wirkung von Strahlung auf elektrosensible Menschen einzurichten.
Ich wurde vor einigen Jahren Gemeindepräsidentin der Agglomerationsgemeinde Bolligen bei Bern. Da suchten mich gleich zu Beginn zwei Professorinnen für Neurologie auf, die mich auf eindrückliche Weise gemäss dem damaligen Wissensstand informierten über die sehr unterschiedlichen Sensibilitäten der Nervensysteme vorab von Neugeborenen und kleinen Kindern, von betagten Personen, aber auch einfach von Personen, die im ganzen Leben durch die Ausgestaltung ihres Nervensystems eine überdurchschnittliche Sensibilität auf Strahlung aufweisen.
Es ist richtig, Frau Bundespräsidentin, dass es seither natürlich Forschungen gegeben hat - aber viel zu wenige. Die letzte, die Sie in Ihrer Stellungnahme - diese ist allerdings auch schon vom Februar 2016 - zitieren, datiert von 2012. Es bleibt ein grosser Handlungsbedarf, das lesen, hören, sehen wir alle; wir erhalten Hunderte von Zuschriften von betroffenen Personen von Genf bis zum Bodensee. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um Sie auf das eindrückliche Buch "Die Schicksalsweberei" von Frau Evelyn Reimann aufmerksam zu machen. Frau Evelyn Reimann ist eine nahe Verwandte unserer beiden Nationalratskollegen Maximilian und Lukas Reimann. Lesen auch Sie dieses 2014 erschienene Zeitdokument einer Frau, die sich über die Problematik eines Lebens unter hoher Betroffenheit von Elektrosensibilität äussert!
Die Strahlenbelastung nimmt zu, auch wir gebrauchen mehr, viel mehr Geräte. Auch die Hochspannungsausstrahlungen nehmen zu, und sie werden auch mit zukünftigen Hochspannungsleitungen nicht abnehmen, es sei denn, diese könnten alle unter den Boden verlegt werden. Darüber werden wir noch diskutieren.
Der Bund forscht bzw. lässt forschen in Gebieten der Lebensmittel und der Landwirtschaft. Aber hier, in einem elementaren Gebiet des Gesundheitsschutzes, wäre Forschung zu aktuellen Phänomenen, zu denen noch keine Langzeitwirkungsforschung besteht, doch angezeigt. Mein Ansatz kommt aus der Wissenschaft, er kommt von Forscherinnen und Forschern, die begründeterweise postulieren, dass auch [PAGE 410] in der recht kleinen Schweiz eine möglichst strahlungsfreie Wohnzone als Testgebiet, als Forschungsgebiet eingerichtet werden sollte, in die dann elektrosensible Personen aller Generationen ziehen könnten bzw. in der sie wohnen könnten. Erst dadurch würde eine Vorher-nachher-Forschung ermöglicht, es könnte erforscht werden, wie positiv sich eine möglichst strahlungsfreie Zone auf die Gesundheit und notabene auch die Erwerbsfähigkeit vieler betroffener elektrosensibler Menschen in unserem Land auswirken könnte.
Ich bitte Sie, diese Motion im Interesse einer wirklich einwandfreien Forschung in der Schweiz für elektrosensible Menschen anzunehmen. Ich danke Ihnen dafür.