Lombardi Filippo · Ständerat · 2002-03-19
Lombardi Filippo · Ständerat · Tessin · Christlichdemokratische Fraktion · 2002-03-19
Wortprotokoll
Sie sind schon genug in Anspruch genommen worden. Ich werde mich deshalb kurz fassen, auch weil ich wahrscheinlich viel mehr Stimmen gewinnen könnte, wenn ich auf meine Rede gar verzichten würde.
Wir stehen aber heute vor einem ausserordentlichen Entscheid. Selten hat das Parlament die Möglichkeit, solche institutionellen Beschlüsse zu fassen, die nicht nur eine blosse Organisationsfrage betreffen, sondern das Wesentliche unseres Föderalismus hervorheben. Die Wahl des Sitzes der zwei neuen Bundesgerichte ist keine technische, sondern eine hochpolitische Frage. Wir werden gefordert, institutionellen Mut und Verantwortung zu zeigen, wie damals, 1874, als die Eidgenossenschaft die Beachtung des Föderalismus konkret unter Beweis stellen wollte und als Sitz des Bundesgerichtes Lausanne wählte. Dies war ein wichtiges Zeichen der Hochachtung des Bundes vor der ganzen Suisse romande, die sich durch diese Wahl in der Eidgenossenschaft besser verankert fühlte. Oder es ist wie 1911, als unser Parlament Luzern zum Sitz des Bundesversicherungsgerichtes bestimmte, und zwar gegen den Vorschlag des Bundesrates, der natürlich Bern als geeigneter - weil zentraler - empfand. Oder es ist wie 1968 und auch später, als wiederum die Idee aufkam, man solle das Versicherungsgericht zweckmässigerweise nach Lausanne verlegen und in Mon-Repos integrieren.
Es geht hier und heute nicht darum, irgendein Bundesamt zu dezentralisieren. Das ist eine Kompetenz, die wir gerne dem Bundesrat überlassen, weil sie ihm zusteht, obwohl er davon nur sehr mässig Gebrauch macht. Solche "Zügleten" beschränken sich übrigens in der Regel auf eine Distanz von 50 Kilometer von der Hauptstadt, damit die Bundesbeamten weiter in Bern wohnen können, obwohl sie sozusagen dezentralisiert arbeiten. Es geht hier vielmehr darum, die Architektur und die Zusammengehörigkeit dieses föderalistischen Landes zu stärken, indem wir einen letzten Schritt vollziehen, der seit der Geburt der Eidgenossenschaft noch nicht vollzogen worden ist: eine eidgenössische Institution südlich der Alpen anzusiedeln. Ich spreche bewusst nicht vom Kanton Tessin, sondern von der italienischen Schweiz, oder besser: von einem der grundlegenden Bausteine der kulturellen Vielfältigkeit dieses Landes. Es freut mich sehr, an dieser Stelle die entschlossene Unterstützung des Kantons Graubünden für die Kandidatur von Bellinzona zu unterstreichen.
Genau vor einem Jahr haben wir Sie für die Frühjahrssession mit grosser Freude in Lugano empfangen. Bei dieser Gelegenheit hatten wir uns alle versprochen, es würde sich nicht um eine Alibiübung handeln, und es solle sich nicht auf eine rein logistische und touristische Verlegung beschränken. Wir wollten jene Session als Anfang eines neuen Verständnisses der Rolle der italienischen Schweiz in der Eidgenossenschaft verstanden wissen. Einen Monat später sprach die Presse über den Kanton Tessin lediglich im Zusammenhang mit dem Lastwagenchaos am Gotthard!
Hier und heute haben wir - jeder von uns! - die konkrete Möglichkeit, mit unserer Stimme zu zeigen, dass die italienische Schweiz nicht nur als Schwerverkehrskorridor Europas dienen kann.
Als Gegenargument zu all diesen Werten eine banale logistische Überlegung bezüglich der Reisezeiten nach Bellinzona vorzubringen, ist unseres Landes und dieses Parlamentes unwürdig, wenn man bedenkt, dass viele Mitglieder dieser Räte nicht zögern, einen Grossteil ihres politischen Lebens im Zug oder im Auto zu verbringen, um unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger hier in Bern zu vertreten. Dieses Argument ist umso weniger angebracht, wenn man bedenkt, dass die Eidgenossenschaft Milliardenbeträge in das Projekt Neat investiert, das in jedem Fall diese Reisezeit um anderthalb Stunden verkürzen und somit Bellinzona viel näher an Luzern, Zürich, Aarau, Basel, Bern, Fribourg, Lausanne und Genf bringen wird.
Darf ich noch beifügen, dass wir heute auch die Möglichkeit nutzen sollten, jenen politischen Strömungen, die im Tessin ständig gegen Bern lästern und somit ihre negative Einstellung mit unechten Argumenten verbreiten, konkret zu zeigen, dass sie im Unrecht sind. Wir können zeigen, dass "Bundesbern" auch Verständnis für unsere Situation hat und mit einem konkreten Schritt die Werte des Föderalismus verteidigen kann, ohne die Randregionen und die Minderheiten zu vernachlässigen oder gar zu vergessen.
Chers amis romands, permettez-moi de vous rappeler à vous aussi l'esprit tout à fait particulier qui marqua notre session de printemps, il y a un an à Lugano. Que de mots alors sur l'autel de la solidarité latine, élément constitutif de la compréhension confédérale toute entière. Et j'y crois, moi, à cette solidarité latine et confédérale! Que de bonnes intentions pour améliorer les rapports entre la Suisse italienne et le reste du pays! Et que de promesses enfin que cette session ne resterait pas un simple exercice alibi!
Eh bien, cette solidarité et ces bonnes intentions, il s'agit maintenant de les traduire en acte. La Suisse romande connaît la valeur symbolique des institutions qui va bien au-delà du simple problème des bureaux ou du nombre d'emplois à créer, elle qui dispose depuis 1874 à Lausanne du siège prestigieux de notre premier Tribunal fédéral qui a contribué à renforcer ce sentiment d'appartenance institutionnelle à la [PAGE 220] Suisse, elle qui dispose aussi à Genève du siège européen des Nations Unies, une institution importante que la Confédération toute entière soutient et défend avec force. Elle sait bien, la Suisse romande, qu'il ne s'agit pas ici d'un simple problème de décentralisation ou d'efficacité de transport, mais d'un choix institutionnel fondamental avec toutes les implications symboliques qui en découlent.
Y opposer des raisons purement ferroviaires ou de recrutement est indigne de ce Parlement et reviendrait à dire qu'il faudrait alors déplacer Mont-Repos à Olten, qui est évidemment un endroit plus central pour le recrutement des juristes de langue alémanique qui représentent quand même la majorité de ce tribunal. Que dire du reste des pays qui ont des milliers de kilomètres d'étendue et qui évidemment ne peuvent pas imaginer de transporter en quelques minutes leurs juges, leurs avocats et leurs détenus d'une ville à l'autre, mais qui évidemment prennent le temps qu'il faut pour que cela se réalise?
Il s'agit maintenant de compléter l'oeuvre des pères fondateurs de la Confédération et d'attribuer à la Suisse italienne, non pas un quelconque "Bundesamt" - ou un casino supplémentaire, Monsieur Studer -, mais bien le siège d'une institution fédérale.
C'est ce choix politique que nous devons faire aujourd'hui et je fais appel à votre sensibilité latine, tout autant qu'à votre conscience politique fédéraliste, pour vous demander de prendre la bonne décision en soutenant la proposition de la minorité de votre commission.
Care colleghe e cari colleghi di tutti i cantoni: oggi la Svizzera italiana unita, Ticino e Grigioni insieme, vi chiede di dimostrare con i fatti quella comprensione che avete sempre, a parole, dichiarato nei suoi confronti. Oggi abbiamo la possibilità di fare una scelta politica di alto valore simbolico per colmare con un passo concreto quel fossato che da troppo tempo ci separa. Completiamo allora l'opera dei padri fondatori della Confederazione che ebbero l'intelligenza di capire quanto fosse importante assegnare alla Svizzera romanda e a quella centrale la sede dei due primi Tribunali federali esistenti. Oggi si tratta di dare finalmente anche alla Svizzera italiana ed a quella orientale non un qualunque ufficio federale decentralizzato, bensí la sede di un'istituzione federale con tutto il peso politico di questa scelta. Abbiamo un'occasione unica, eccezionale per un Parlamento. Non perdiamola!