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Lohr Christian · Nationalrat · 2017-05-02

Lohr Christian · Nationalrat · Thurgau · CVP-Fraktion · 2017-05-02

Wortprotokoll

Ich habe die Aufgabe erhalten, das Postulat Lehmann 15.3572 zu übernehmen. Herr Lehmann forderte in seinem Postulat vom Bundesrat einen Bericht zum Konsum von und Handel mit Anabolika, wobei insbesondere der Aspekt des Missbrauchs durch Jugendliche zu beachten sei.

Der Körperkult bei jungen Menschen, bei Jugendlichen hat sich seit Beginn des medialen Zeitalters massiv verstärkt; dessen müssen wir uns bewusst sein. In der Werbung wird dargelegt, was man alles machen kann, damit man noch stärker, noch schneller, noch kräftiger wird. Dies soll aber nicht aus dem eigenen Verständnis heraus geschehen, was man mit den normalen, mit den eigenen Fähigkeiten des Körpers machen kann, sondern indem man zusätzliche Mittel einnimmt, um neue Ziele zu erreichen; teils erweisen sich diese aber auch als unrealistisch. Dabei wird die eigene Gesundheit gefährdet. Man weiss ganz genau: Wenn zu viele verbotene Substanzen eingenommen werden, gibt es extreme Nebenwirkungen, die gerade auch bei jungen Menschen zu verheerenden Langzeitfolgen führen können.

Im Spitzensport wird das Ganze dann noch extremer. Wenn junge Talente den Schritt nach ganz oben machen wollen, werden sie teilweise dazu gedrängt oder sind motiviert, solche Anabolika oder Amphetamine - eigentliche Dopingmittel - zu sich zu nehmen, um den vermeintlichen Sprung an die Spitze zu schaffen.

Was kann da passieren? Es können psychische Auswirkungen erfolgen, es kann eine massiv erhöhte Aggression entstehen, es kann aber auch das Nervensystem in Mitleidenschaft gezogen werden. Es sind also zugegebenermassen lauter Aspekte, die es zwingend notwendig machen, dass wir auch als Gesellschaft darauf aufmerksam werden und verstärkt darauf schauen, dass junge Menschen diese Mittel, wenn immer möglich, nicht zu sich nehmen und auch nicht davon abhängig werden, was ja ein weiterer Aspekt ist.

Es ist aber nicht nur ein Thema für junge Menschen, sondern es nehmen auch immer mehr Hobbysportler solche Mittel ein. Auch da muss man sich bewusst sein, dass die Zahl ansteigt. Man erlebt Sportler bei einem Zürich-Marathon, einem Grand Prix von Bern, die immer mehr und immer höhere Ziele erreichen wollen. Sie wollen schneller sein und begeben sich in eine gefährliche Phase, indem sie Muskelaufbaupräparate in überdosierten Mengen zu sich nehmen.

Mein ehemaliger Kollege Markus Lehmann forderte einen Bericht dazu. Der Bundesrat hat in seiner ablehnenden Stellungnahme darauf hingewiesen, dass das Thema zwar durchaus ernst zu nehmen und sehr wichtig sei, dass aber mit dem revidierten Sportförderungsgesetz, welches am 1. Oktober 2012 in Kraft getreten sei, die verschiedenen Verwaltungseinheiten des Bundes, Swissmedic, die zuständigen kantonalen Stellen sowie die für Massnahmen gegen Doping zuständige Stelle, Antidoping Schweiz, zusammenarbeiteten und das aktiv angingen. Seit Inkrafttreten dieses Gesetzes ist [PAGE 615] zugegebenermassen erst eine kurze Zeitdauer verstrichen. Realistischerweise muss man sagen, dass es noch zu früh ist, um wirklich aussagekräftige Informationen zu haben.

Wie kann man überhaupt feststellen, wie viele Dopingmittel, wie viele Anabolika in die Schweiz importiert werden? Das Ergebnis beruht auf Beschlagnahmungen durch den Zoll. Das ist eine weitere Messgrösse, die man verstärkt anschauen und auch untersuchen muss.

Ich finde das ganze Thema wirklich sehr wichtig. Ich komme aber schweren Herzens zum Schluss, dass der Zeitpunkt zu früh ist, um ein solches Postulat einzureichen. Ich werde deshalb das Postulat heute zurückziehen. Ich werde die ganze Sache aber, Herr Bundesrat, mit Argusaugen verfolgen. Ich möchte, wenn irgendetwas in die falsche Richtung laufen sollte, mit sportlicher Ausdauer, politischer Ausdauer, aber ohne Anabolika und Dopingmittel in ein paar Jahren wieder einen Vorstoss einreichen.