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Feri Yvonne · Nationalrat · 2017-06-07

Feri Yvonne · Nationalrat · Aargau · Sozialdemokratische Fraktion · 2017-06-07

Wortprotokoll

Ich rechne dem Bundesrat hoch an, dass er in seiner Antwort auf meine Motion festhält, dass bei der Verwirklichung der Gleichstellung von Frau und Mann nach wie vor in vielen Bereichen Handlungsbedarf besteht. Wir haben mehr oder weniger gute Gesetze, eine Bundesverfassung, welche besagt, dass Frauen und Männer gleichgestellt werden, doch von der Umsetzung dieses Artikels sind wir Lichtjahre entfernt. Denken wir dabei beispielsweise an die Lohnungleichheit: Nach wie vor gibt es einen unerklärbaren Teil von Lohndifferenzen. Oder warum verdienen junge Männer beim Start ins Berufsleben für den gleichen Job mehr als junge Frauen? Das ist keine Gleichstellung.

Es stimmt auch, wie der Bundesrat sagt, dass ein Teil der Arbeit für die Gleichstellung bei den Kantonen respektive sogar bei den Gemeinden liegt. Ich jedoch bin davon überzeugt, dass es einen starken Lead braucht, denn die Bundesverfassung gibt die Leitlinie vor. Es gibt heute sogar noch Kantone, welche kein Büro für die Gleichstellung haben. Und ja, liebe Männer, Gleichstellung bedeutet heute nicht ausschliesslich Frauenförderung, sondern soll auch den Männern zugutekommen, beispielsweise bei der Förderung von Teilzeitstellen oder, wie wir gerade gehört haben, der Einführung einer Elternzeit. Oder wollten Sie vielleicht schon immer eine Ausbildung in einer Kita machen?

Sie sehen, Gleichstellung ist vielseitig. Die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik müssen mitziehen, damit wir Schritt für Schritt für alle Geschlechter vorwärtskommen.

Eine Aussage in der Antwort erstaunt mich nicht wirklich, macht mich aber immer wieder sprachlos und erinnert mich sehr an die Beratungen zur Altersvorsorge 2020. Und zwar führt der Bundesrat aus, dass sich infolge der angespannten Finanzlage des Bundes die Frage stelle, ob ein Aktionsplan überhaupt finanzierbar wäre. Warum der Link zur Altersvorsorge? Sie erinnern sich, wir setzten das Frauenrentenalter aus sogenannten Gleichstellungs- und Spargründen um ein Jahr hinauf. Ich sagte damals schon: Wenn auf dem [PAGE 947] Buckel der Frauen respektive mit dem Gleichstellungsargument gespart werden kann, dann sind alle für die Gleichstellung. Wenn jedoch etwas investiert werden muss, heisst es schnell einmal: Wir haben kein Geld, wir sehen keinen Handlungsbedarf. Ich bin sehr enttäuscht, dass wir zwar sehr gute Papiere entwickeln, danach jedoch keine Umsetzungspläne angehen.

Manchmal, für wirklich sehr kurze Momente, bin ich dankbar, dass Präsident Trump gewählt wurde. So bekam der Feminismus wieder einen Platz in den Medien, in der Politik, in der Gesellschaft - auch wenn es ein Armutszeugnis ist, dass es solche Männer braucht, damit die Gleichstellungskämpfer und -kämpferinnen wieder gehört werden.

Je länger, desto mehr gibt es zahlreiche Männer, welche mitziehen. Liebe Kollegen, Gleichstellung ist auch für Sie ein Gewinn! Das gilt auch für die Wirtschaft, wie viele Studien aufzeigen. Sind die leitenden Gremien mit Frauen und Männern besetzt, sind die Finanzabschlüsse besser, als wenn diese nur mit Männern besetzt sind. Sagt das nicht genug?

Ich bin froh über das Engagement von Männern und Männervereinen. Sie zeigen auch auf, wo es Handlungsbedarf aus ihrer Sicht gibt. Das ist eine Bereicherung in der Umsetzung der Bundesverfassung.

Manchmal, für noch kürzere Momente, bin ich auch dankbar, dass es die schreckliche Kölner Nacht gegeben hat. Auch das betrifft einen Meilenstein in der neuesten Gleichstellungspolitik. Es erwachten auch endlich Männer. Sie haben eingesehen, dass Grenzüberschreitungen - egal gegenüber wem und egal von welcher Person ausgehend - nicht toleriert werden dürfen.

Ja, es gibt noch viel zu tun. Bewegen wir etwas! Dies können wir tun, indem wir die Motion annehmen.